SWR Kultur Wort zum Tag
Wer noch einen Brief ans Weihnachtspostamt in Himmelstadt schreiben möchte, sollte es heute tun. Denn alle Briefe, die bis übermorgen eingehen, werden noch beantwortet. Es unterschreibt das Christkind, aber natürlich stecken jede Menge Ehrenamtliche hinter der Aktion. Rosemarie Schotte ist eine von ihnen – und das schon seit über 30 Jahren.
Sie und ihr Team beantworten jährlich um die 80.000 Briefe – meist von Kindern geschrieben. Sie sind alle ans Christkind adressiert. Rosemarie Schotte sagt: „Meistens sind es mehr oder weniger lange Wunschzettel, die hier landen. Besondere Briefe beantworten wir sogar individuell. Und auf alle Antwortbriefe kommen Sondermarken und ein extra Weihnachtsstempel.“
Dabei ist die Sache mit dem Christkind, das Geschenke bringt, eigentlich ein Missverständnis: Früher hat das Christkind nämlich die Geschenke bekommen und nicht gebracht. Aber dann haben sich im Laufe der Zeit zwei Dinge miteinander vermischt: zum einen die Krippenfigur des Jesuskindes, das ursprünglich beschenkt wurde. Und zum anderen die sogenannten „Christkinder“. Das waren Kinder, die bei den Weihnachtsspielen zur Krippe gezogen sind und dem Jesuskind Geschenke gebracht haben. Zwei Mal „Christkind“ – und auf einmal war nicht mehr so ganz klar, wer hier wem was schenkt.
Die Tradition der Christkinder, die dem Jesuskind etwas bringen, wird heute wieder in einigen Familienchristmetten praktiziert: Da dürfen die Kinder im Gottesdienst nach vorne kommen und das Christkind in der Krippe anschauen. Und viele von ihnen bringen dann noch ein Spendenkässchen aus Pappe mit und legen es ins Stroh. Den ganzen Advent über haben die Kinder Kleingeld in diesem Kässchen gesammelt. Mit dem Geld werden dieses Jahr Kinder und Familien in der Amazonasregion unterstützt.
Die Geschenke fürs Christkind kommen also anderen Menschen zugute. Das passt sehr gut zu Jesus. Sein oberstes Prinzip heißt Liebe. Jesus hat immer die Liebe zu den Menschen in den Vordergrund gestellt – und natürlich auch die Liebe zu Gott, seinem Vater.
Und trotzdem: Die Kinder, die ans Christkind in Himmelstadt schreiben, erhoffen sich wohl eher ein handfestes Geschenk. Na ja, sie müssen ja nicht wissen, dass die Geschenke eigentlich von den Eltern kommen. Und egal wie lange die Wunschzettel der Kinder sind - das wichtigste Geschenk ist und bleibt doch die Liebe – und die gibt’s vom Christkind für alle Kinder gratis dazu.
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