Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
„Ich muss noch so viel tun!“ Mit diesem Gedanken wache ich morgens manchmal auf. Besonders oft in diesen letzten Adventstagen jetzt, wo sich gefühlt alles Richtung Weihnachten beschleunigt und bis dahin noch so viel passieren soll. Privat und auch bei der Arbeit – überall drängen sich die Termine und Aufgaben bis zum Fest. Manchmal fühlt sich mein Leben dann an wie eine einzige To-Do-Liste.
„Ich muss noch so viel tun!“ Dieser Satz macht es meistens eng in mir drin. Und nimmt mir damit die Energie, die ich ja eigentlich dringend bräuchte, wenn er denn Recht hat. Ein Teufelskreis.
„Ich muss noch so viel tun“ – ich glaube, in diesem Satz stimmen zwei Wörter nicht. Zwei kleine Wörter nur, aber die sind vielleicht das ganze Problem.
Das erste Wort: „noch“. „Ich muss noch so viel tun“ – damit mache ich mir doch vor, dass irgendwann alles geschafft wäre! Das wird aber nie so sein. Denn mal ehrlich – wann ist denn der letzte Anruf erledigt, der letzte Besuch gemacht, die letzte Weihnachtskarte geschrieben? Mir fällt bis Heiligabend immer noch was und jemand ein. Das hängt ja gerade mit Weihnachten zusammen – weil da ja oft das Miteinander im Mittelpunkt steht, weil ich da das Bedürfnis spüre, an andere zu denken und ihnen etwas Gutes zu tun. Und das wird sich immer irgendwie unfertig anfühlen. Es ist gesünder, mir das von vornherein klarzumachen, glaube ich.
Und das zweite schwierige Wort: „muss“. „Ich muss so viel tun“ – warum eigentlich? Weil man das von mir erwartet? Weil ich es selbst von mir erwarte? Oder muss ich, weil es um die Menschen geht, die mir wichtig sind? Dann wäre es ein Antrieb von innen heraus – und ich muss mich nicht vorab unter Druck setzen damit.
Auch ohne „muss“ und „noch“ lege ich natürlich nicht die Hände in den Schoß. Mitten in der Bibel steht folgende alte Weisheit: „Was immer deine Hand zu tun bekommt, das tu mit deiner ganzen Kraft!“ [Prediger 9,10a; BasisBibel] Mir gefällt das. Wenn mir Dinge in die Hände kommen, also für mich persönlich dran und machbar sind, dann will ich die mit vollem Einsatz tun. Alles andere sehe ich dann.
Heute gibt es das und das zu tun. Mal sehen, was davon meine Sache wird. Vielleicht ist das ja ein neuer und besserer Gedanke für mich nach dem Aufwachen. Jetzt kurz vor Weihnachten – und überhaupt.
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