Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

17DEZ2025
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Auf Facebook entdecke ich einen Artikel der Lokalzeitung: Unser Landkreis und seine Kommunen bekommen neues Geld. So wie überall in Deutschland gerade, das wurde ja beschlossen vor einiger Zeit. Unter dem Beitrag – jede Menge Kommentare. Viele kritisch, man kann das ja auch diskutieren. Aber einer schreibt nur kurz und knapp: „Das geht ja alles gleich weiter an die Flüchtlinge!“

Natürlich ist diese pauschale Behauptung kompletter Unsinn. Mit Kritik an Politik hat das auch nichts mehr zu tun. Hier werden mal eben alle Flüchtlinge als Schmarotzer abgestempelt. Das geht einfach nicht. Aber mich interessiert schon: Wo kommt so eine Meinung, so eine Haltung eigentlich her? Und der Frust, den ich da spüre, der Neid auf andere, die Missgunst?

Ich schaue mir das Facebook-Profil des Kommentierers ein bisschen an. Sofort wird deutlich: Seine Familie kommt ursprünglich nicht aus Deutschland. Sie ist irgendwann hierher übergesiedelt, vermutlich vor ein paar Jahrzehnten. Ob in der Heimat Krieg geherrscht hat oder ob es der Wunsch nach mehr Wohlstand war, weiß ich nicht. Es gibt viele Gründe, das eigene Land zu verlassen. Und alle finde ich irgendwie verständlich.

Was ich nicht verstehe: Warum hetzt jemand mit dieser eigenen Herkunftsgeschichte heute gegen Flüchtlinge? Hat dieser Mensch vergessen, wie es ihm selbst mal ging?

In der Bibel finde ich eine Anregung, wie es anders gehen könnte. Da wird erzählt, wie auch die Israeliten in ein neues Land kommen – und dort zum ersten Mal auf dem Feld Früchte ernten. Zu diesem besonderen Ereignis sollen sie vor Gott ein feierliches Bekenntnis ablegen. Und das beginnt damit, dass sie ihre Herkunftsgeschichte in Worte fassen: „‚Ein heimatloser Aramäer war mein Vater. Er ging nach Ägypten und lebte dort als Fremder. […] [Gott] brachte uns an diesen Ort […]. Hier bringe ich nun die ersten Früchte des Landes, das du, Herr, mir gegeben hast.“ [5. Mose 26,5-10; BasisBibel]

Die Israeliten sollen also nicht vergessen, woher sie kommen, dass sie nicht immer so viel hatten. Das macht um so dankbarer über die Gegenwart. Und zugleich barmherzig im Blick auf andere. Das Bekenntnis in der Bibel endet dann nämlich so: „Freu dich über all das Gute, das der Herr, dein Gott, dir schenkt, dir und allen, die zu dir gehören! […] [Wer auf Hilfe angewiesen ist,] [im Original: „Levit“ als Teil einer schutzbedürftigen Minderheit] soll sich mit dir freuen, und der Fremde, der bei dir lebt.“ [5. Mose 26,11]

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43475
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