Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

16DEZ2025
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Besinnlich. So soll die Adventszeit sein, höre ich oft. Oder das Weihnachtsfest. „Einen besinnlichen Advent!“, tönt es durch die Supermarktlautsprecher. – „Besinnliche Weihnachten!“, wünscht mir die Grußkarte.

„Besinnlich“. Ganz offen – ich finde das Wort schrecklich. Weil ich den Eindruck habe: Meistens ist damit nur eine behagliche Atmosphäre gemeint. Ein gemütliches Wohnzimmer mit Kaminfeuer für die Seele sozusagen, hübsch-harmonisch arrangiert. Das ist was Schönes, keine Frage. Aber es verändert nichts in mir. Höchstens spüre ich noch Druck, alles auch möglichst besinnlich herzurichten. Bloße Besinnlichkeit bleibt harmlos und an der Oberfläche.

Worauf ich Lust habe in der Advents- und Weihnachtszeit: Mal in die Tiefe zu gehen. Zu fragen, was mir wichtig ist, was mich wirklich ins Schwingen bringt, mich im Leben motiviert. In meinem Tempo, so, wie es gerade passt für mich. Das hat dann mit mir persönlich zu tun, nicht nur mit einer äußeren Stimmung.

Aber wenn ich mich darauf einlasse, dann ist das auch ein Wagnis. Was dann in mir passiert, kann ich nicht komplett kontrollieren. Und schon gar nicht kann ich es irgendwie steuern und herstellen. Auch meine persönlichen Verletzungen haben dann Platz, auch das, was mir weh tut. Ich muss nichts zur Seite schieben, damit es auch schön besinnlich bleibt. Und wenn wirklich etwas tief in mir angerührt wird, kommt etwas in Bewegung, kann sich verändern.

In der Bibel wird das übrigens ähnlich erzählt. Da beginnt Advent damit, dass Maria, Josef und ihr ungeborenes Kind aufbrechen müssen. Und als Jesus geboren wird, verändert das ihr Leben von Grund auf. Auch die Hirten oder die Weisen aus dem Morgenland kommen nicht an die Krippe, weil sie die besinnliche Stimmung dort so mögen. Sie spüren: Hier beginnt etwas radikal Neues. Und ich werde Teil davon, mein Leben stellt sich völlig auf den Kopf.

Das ist viel mehr als besinnlich. Aber es hat mit dem Wort zu tun, von dem die Besinnlichkeit herkommt: Sich besinnen. Ich besinne mich auf das, was mir in der Tiefe wichtig ist. Wenn das gemeint ist, dann darf es meinetwegen auch besinnlich sein.

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