SWR1 3vor8
Wenn ich den Kopf hängen lasse, weil ich deprimiert bin – mir das Leben zu viel ist: privat aber auch die Streitereien in der Politik oder der Kommerz um mich herum … – dann bin ich mir manchmal nicht mehr sicher: KANN ich den Kopf dann nicht mehr heben? – Oder WILL ich ihn nicht mehr heben? Das könnte tatsächlich sein. Und ich glaube, das liegt daran, dass ich Angst habe. Ich habe Angst, dass ich beim Hochschauen wieder nur dieses „Zuviel“ sehe aber nichts neues; nichts darüber hinaus. Wenn ich den Kopf hebe und da ist nichts – über mein kleines Leben hinaus - das wäre wirklich das Schlimmste für mich.
Klar lass‘ ich den Kopf trotzdem nicht einfach bloß hängen. Ich versuche schon, mein Leben anzupacken und ihm eine Richtung zu geben: Das Leben zu genießen, zum Beispiel. Ich versuche, mir was aufzubauen und was Sinnvolles zu tun für unsere Gesellschaft. Nur leider führt das halt manchmal zu nichts: Meine Möglichkeiten sind so klein, und ich habe auch Fehler gemacht beim Versuch, anderen zu helfen. Und frage mich manchmal: Bringt das was? Auch, mir was aufzubauen? Ich habe ja keine Kinder, an die ich’s weitergeben könnte. Und das Leben zu genießen, das schaffe ich eigentlich nur, wenn ich solche Sorgen ausblende.
Ich blend’s aus – oder lasse den Kopf hängen. Allerdings jetzt, im Advent, in der Vorweihnachtszeit, bin ich doch wieder ein bisschen mutiger. Hebe meinen Kopf – noch vorsichtig – aber ich hör‘ da was. Ich höre einen biblischen Text und darin Worte von Jesus, und er sagt: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“
Kopf hoch. Traut euch, ihr könnt es. Jesus sagt das, weil er weiß, wie ziellos sich das Leben anfühlen kann und kommt uns deshalb entgegen. Weil es Weihnachten wird und wir feiern, dass er geboren wird. Ich höre seine Worte, hebe vorsichtig den Kopf udn sehe schon den Hoffnungsstreifen am Horizont. Es gibt eben doch eine Richtung gibt für mein Leben. Trotz meiner kleinen Möglichkeiten und der Fehler, die ich mache und der vielen Probleme überall: Es geht in Richtung Lösungen, in Richtung Erlösung. Es geht in Richtung Weihnachten.
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