Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

12DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

13 Quadratmeter. Das ist die durchschnittliche Größe einer deutschen Küche. Gar nicht mal so klein. Da passen bestimmt drei oder vier Leute rein, um ein Essen zu kochen. Wenn man zusammenrückt, sogar noch ein paar mehr. Ich unterstelle, dass viele das kennen, von Partys oder Familienfesten; wenn zu vorgerückter Stunde sich so viele in der Küche herumdrücken, dass man fast nicht mehr stehen kann. Weil die Küche ein Ort der Begegnung ist.

Darum, um Begegnung, geht es mir heute, weil ich auf eine Aktion aufmerksam machen will, die ich großartig finde. Sie heißt „Politik auf 13 qm[1]“. Und es geht im Wesentlichen darum, Menschen auf engem Raum zusammenzubringen. Menschen, die sich sonst nicht begegnen würden. Menschen, die nicht einfach so unter die Leute gehen, sondern eher zurückgezogen leben. Oft sind das die, die sich benachteiligt fühlen und mit dem politischen System in unserem Land unzufrieden sind. Lebensmittel werden teurer, Mieten kaum mehr bezahlbar. Aber das kümmert „die da oben“ nicht, die ein stattliches Gehalt einschieben und in bequemen Sesseln sitzen. Inzwischen fühlen sich leider viele vergessen. Es gibt sogar einen Namen für diesen Teil unserer Gesellschaft: „das unsichtbare Drittel“. Die Distanz zum System und zu anderen Menschen hat sie einsam gemacht. Das ist schlecht und es muss sich ändern.

„Politik auf 13 qm“ startet dazu einen Versuch. Mit ihrem Transporter fahren sie auf Marktplätze, in Parks, in Einkaufscenter und Fitnessstudios, auch in Gebäude, wo Räume leer stehen. Die Orte werden so ausgesucht, dass viele „Unsichtbare“ dort sowieso unterwegs sind und hoffentlich darauf aufmerksam werden. Dort installieren sie mit den mitgebrachten Möbeln einen Raum. Er ist nicht nur 13qm groß, sondern 13 auf 13 Quadratmeter und bietet für 30 Menschen Platz. Im besten Fall wird der Raum voll, und es entstehen Begegnungen und Gespräche. Die Themen liegen auf der Hand: Was sich vor Ort verändern soll. Was verschwiegen wird. Wo man sich willkommen fühlt, wo nicht. Wo neues Vertrauen aufgebaut werden muss.

Dass die Kampagne „Politik auf 13qm“ von der Katholischen Kirche ausgeht, ist ein klares Zeichen – auch vor der kommenden Landtagswahl. Weil gute Christen sich für ihre Mitmenschen interessieren. Weil sie wissen, wie wichtig Vertrauen ist. Und weil sie die Hoffnung nie aufgeben.

 

 

[1]https://politikauf13qm.drs.de/alles-rund-um-politik-auf-13qm.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43445
weiterlesen...