Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

11DEZ2025
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Weihnachten ist ein schwieriges Fest. Was auch damit zu tun hat, dass da im Grunde das Kalenderjahr zu Ende geht. Und für viele muss erledigt werden, was das Jahr über liegen geblieben ist. So drängt sich alles Mögliche in diesen Tagen davor: Abrechnungen, die Steuererklärung, Einladungen, Besuche, Grüße. Gedacht ist der Advent als eine Zeit, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Was eher ruhig vonstatten gehen könnte, am besten ein bisschen idyllisch, jedenfalls nicht in Hektik. Das ist ein altes Thema, und wie wenig es oft gelingt, weiß vermutlich fast jeder. Spätestens an Heiligabend ist man k.o., aber dann kommt ja noch Weihnachten.

 

Weihnachten ist ein emotionales Fest. Bei uns daheim war es jedenfalls so. Essen für drei Tage, ein festlich geschmückter Christbaum, Besuche bei den Verwandten, Post und Geschenke. Die Erwartungen waren ungeheuer. Das übt Druck aus auf alle, die mit Vorbereitungen beschäftigt sind und es schön machen wollen. Wenn es dann so weit ist, knallt es häufig. In der Küche bei uns herrschte Chaos. Meine Eltern hatten fast immer wegen irgendeiner Kleinigkeit einen Streit vom Zaun gebrochen. Und ich mittendrin mit meiner Flöte, der nicht so recht wusste, wohin. Das Herz war voll mit Gefühlen und Stimmung, aber besinnlich wurde es nicht.

 

Weihnachten ist ein menschliches Fest. Was sich unmissverständlich an dem zeigt, was ich bisher beschrieben habe. So sind wir Menschen. Ungeduldig und großspurig, ängstlich und leicht entflammbar. Weihnachten ist aber auch deshalb ein menschliches Fest, weil Gott Mensch wird. Christen glauben, dass er sich vor zweitausend Jahren in einem Menschen gezeigt hat wie niemals zuvor. Jesus aus Nazareth in Galiläa war so sehr bei Gott, mit ihm verbunden, dass die Frommen damals in ihm den wahren Gott gesehen haben, seinen Sohn, der in die Welt kam, um sie zu retten. Aber nicht in einem großen Befreiungsschlag, sondern indem er alles Menschliche mit uns Menschen teilt. Indem er Mensch in jedem Menschen wird. Bis heute.

 

Weihnachten ist schwierig und emotional und menschlich. Weil Gott sich menschlich zeigt, kann ich das allzu Menschliche entspannt nehmen und mich ohne Kopfzerbrechen auf das freuen, was an Weihnachten bevorsteht.

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