SWR Kultur Lied zum Sonntag
Wie kommt Gott in diese Welt? Das heutige Lied zum Sonntag sagt: Gott kommt, indem wir auf ihn warten. Der Text ist während des Dreißigjährigen Krieges entstanden. In dunklen Zeiten also. Gott kommt, heißt es in dem Lied, indem wir unser Herzen öffnen und ihn bei uns einkehren lassen: den „wunderstarken Held“, der der Welt „Licht und Leben versprochen hat zu geben.“
Mit Ernst, o Menschenkinder,
das Herz in euch bestellt;
bald wird das Heil der Sünder,
der wunderstarke Held,
den Gott aus Gnad allein
der Welt zum Licht und Leben
versprochen hat zu geben,
bei allen kehren ein.
Darum geht es: „Bestelle dein Herz, bereite dich vor!“ Damit Gott bei dir einkehren kann. Das ist die Botschaft dieses Adventsliedes. Aber wie geht das? Gott einkehren lassen?
Einkehren setzt Auskehren voraus! Also muss ich erst Platz schaffen.
Auskehren, was hinderlich und sperrig ist. So wie wenn ich ein Zimmer oder eine Wohnung neu tapeziere oder neu möbliere. Das Abgewohnte und Abgestandene muss raus. Damit Neues einkehren kann. Und dann heißt es: Bahn frei für den, der da kommt!
Bereitet doch fein tüchtig
den Weg dem großen Gast;
macht seine Steige richtig,
lasst alles, was er hasst;
macht alle Bahnen recht,
die Täler all erhöhet,
macht niedrig, was hoch stehet,
was krumm ist, gleich und schlicht.
Wo Gott einkehren soll, muss ich mich abkehren von dem, was mich bewegungsunfähig macht und oft auch gefangen hält. Vielleicht schlage ich mal wieder ein Gesangbuch auf und erinnere mich an den Schwung eines alten Adventsliedes. Vielleicht suche ich in der vorweihnachtlichen Hektik einen stillen Kirchenraum auf und gönne mir eine Pause. Vielleicht überlege ich mir ein Geschenk für einen Menschen, an den oder die sonst niemand denkt. Und warte voller Vorfreude auf den, der sich nicht im Scheinwerferlicht der großen Weltbühne inszeniert, sondern in einem entlegenen Stall und einer schlichten Krippe zur Welt gekommen ist.
Ach mache du mich Armen
zu dieser heilgen Zeit
aus Güte und Erbarmen,
Herr Jesu, selbst bereit.
Zieh in mein Herz hinein
vom Stall und von der Krippen,
so werden Herz und Lippen
dir allzeit dankbar sein.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Adventssonntag! Klaus Nagorni aus Karlsruhe von der evangelischen Kirche
CD: Weynacht Gesaenge. Advent und Weihnacht in Renaissance und Frühbarock. Stimmwerck. Christophoros. Track 4, LC 00612
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