SWR Kultur Wort zum Tag

03DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Was für ein Pech! Ich wollte zu einer Veranstaltung gehen und alle Parkplätze waren schon besetzt. Nur einen kleinen Grünstreifen gab es noch – der würde für mich schon ausreichen, dachte ich. Doch kaum stand ich darauf, steckte ich fest. Da lag nämlich ein großer, flacher Stein, den ich übersehen hatte, und jetzt kam ich mit dem Auto weder vor noch zurück. Ich stieg aus und fühlte mich völlig hilflos.

Da kam ein Mann auf mich zu, der mein Ungeschick mitbekommen hatte. Er meinte: „Vielleicht kriegen wir es mit einem Wagenheber hin“. Aber wo war der nur? Der Mann fand ihn und mit gemeinsam Kräften bekamen wir das Auto innerhalb von ein paar Minuten wieder frei. Mit so viel spontaner Hilfsbereitschaft hätte ich nicht gerechnet, aber der Mann meinte: „Wenn ich was kann, helfe ich gern“.

Der Satz ist mir nachgegangen.

Tatsächlich erlebe ich das auch so. Wenn ich andern mit meinen Fähigkeiten weiterhelfen kann, fühlt sich das gut an. Zu spüren, hier kann ich positiv etwas bewirken. Das stärkt auch mein Selbstvertrauen.

Umgekehrt fällt es nicht immer leicht, andere um Hilfe zu bitten, vor allem dann, wenn ich denke: ich müsste es alleine schaffen. Wie stehe ich denn vor den andern da? Falle ich ihnen nicht zur Last? Und wie stehe ich vor mir selbst da? Bedürftig zu sein, das kratzt manchmal am Stolz. Ich möchte unabhängig sein, meine Dinge selbst regeln.

Hilfe brauchen und anderen eine Hilfe sein – beides gehört für mich zusammen. Es tut nicht gut, nur auf eines festgelegt zu sein. Dass ich immer wieder auf Hilfe angewiesen bin, lehrt mich dankbar für meine Mitmenschen zu sein und ihre Fähigkeiten zu schätzen. Eine Hilfe für andere zu sein, macht mir bewusst, was ich für andere tun kann, und lässt mich manchmal über mich selbst hinauswachsen. 

Das gilt auch für meinen Glauben. Ich darf Gott um Hilfe bitten, wenn ich nicht mehr weiterweiß – und sei es in einem kurzen Stoßgebet. Aber mein Glaube ermutigt mich auch, meine eigenen Fähigkeiten ernst zu nehmen und sie (für andere) einzusetzen. Im Geben und Empfangen entsteht so ein Netzwerk, das mich mit anderen verbindet und das unser Leben reicher macht. Mal fällt mir das eine leichter, mal das andere. Ich bin gespannt, welche Herausforderung als Nächstes kommt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43418
weiterlesen...