SWR Kultur Wort zum Tag

01DEZ2025
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Zum Advent gehört für mich ein Adventskalender, der mir dabei hilft, mich auf Weihnachten vorzubereiten. Jeden Tag ein Gedanke, ein Bild, eine Geschichte oder auch eine süße Überraschung, die ich hinterm Türchen entdecken kann.

Besonders schön ist es, wenn der Kalender eine persönliche Note hat, weil er von jemandem für mich ausgesucht oder gestaltet wurde. Dann steckt in jedem Türchen die Geste: ich denk an dich. Und umgekehrt macht es auch Freude, so einen Kalender für jemanden zu machen. Das wissen nicht nur Eltern und Großeltern. Das ist auch unter Freunden schön, oder für größere Gemeinschaften.

Deswegen haben wir uns in meiner Gesamtkirchengemeinde dazu entschlossen, einen digitalen Adventskalender auf unserer Homepage zu gestalten. Neben einigen besinnlichen Texten war die Idee auch, sichtbar zu machen, wieviel Engagement es innerhalb unserer Gemeinden gibt und was alles getan werden muss, damit Weihnachten gefeiert werden kann.

So gibt es hinter den Türchen einiges zu entdecken: etwa Frauen, die Adventskränze flechten und den Gewinn ans Kinderhospiz stiften. Jugendliche, die sich als Nikoläuse für Familien zur Verfügung stellen. Kinder, die sich auf die Sternsingeraktion vorbereiten. Köchinnen und Köche, die zum gemeinsamen Essen für alle einladen, Kirchenchöre, die für ihren Auftritt proben….

Dabei geht es nicht nur um die „eigene“ Gemeinde, die man vielleicht kennt, sondern auch um die anderen drum herum. Es ist spannend mitzubekommen, was andere tun und so über den eigenen Kirchturm hinauszuwachsen.

Dieses Vorhaben hat uns deutlich mehr Zeit und Mühe gekostet als ursprünglich gedacht. Bis alle Beiträge zusammen waren, waren etliche Mails und Anrufe nötig, aber das hat mich auch in Kontakt gebracht mit Menschen, die ich bis dahin nicht gekannt habe. Es ermutigt mich immer in meinem eigenen Engagement, wenn ich andere treffe, die sich ebenfalls dafür einsetzen, dass unsere Welt menschlich wird und bleibt. Und die gibt es ja Gott-sei-Dank nicht nur in den Kirchen, sondern in vielen Communities.

Der Advent erinnert daran, dass Gott in unserer Welt ankommen will. Das ist für mich die Hoffnung, die all die großen und kleinen menschlichen Bemühungen um Mitmenschlichkeit und Solidarität, um Frieden und um Gerechtigkeit verbindet. Ich bin oft überrascht zu sehen, wie viele Ideen und Initiativen es gibt, manchmal ganz in meiner Nähe. In einer Zeit, die ja auch von vielen Ängsten geprägt ist, gibt mir das Hoffnung.

Ich will daher die kommende Adventszeit nutzen, um das Gute zu entdecken, das um mich herum geschieht – sei es hinter einem Türchen oder auch sonst.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43416
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