SWR3 Gedanken
Diesen Sommer war ich viel mit dem Fahrrad unterwegs. Unter anderem in Holland. Was mir dort auffällt: An jeder Ampel gibt es einen Countdown. Der zählt die Zeit runter, bis es grün wird und ich mit dem Fahrrad weiterdüsen darf: Ich kann zuschauen, wie die grüne Ampel immer näher rückt.
Irgendwie beruhigt mich das. Denn Warten kann ich gar nicht gut. An der Supermarktkasse ist es okay — da schau ich zur Ablenkung aufs Handy. Aber wenn beim Arzt unklar ist, ob alles ok ist mit meinem Körper oder ich behandelt werden muss. Dann drehe ich innerlich fast durch. Dann fühlt Warten sich für mich an wie Ohnmacht: Ich kann in dem Moment nix machen. Und das macht mich wütend.
Was ich inzwischen gelernt habe: Wut ist meistens ein Zeichen, dass mir etwas wichtig ist – und ein Signal, dass es gut wäre, jetzt die Kontrolle abzugeben. Das gelingt mir nicht immer. Dann schreie ich ins Kissen, bete oder schreibe alles auf, was mir durch den Kopf geht. Das hilft: Gefühle rauslassen. Um dann – langsam – zuzulassen, dass ich nichts machen kann.
Wenn ich mal wieder auf was warte, zähle ich runter — nicht die Sekunden an der Ampel — sondern meine eigenen, bis ich ruhig werde. Und dann wird das Warten zu einer Pause für mich. In der ich atme, Wut zulasse und sich womöglich etwas ordnet. Und ich dann gestärkt weiterdüsen darf.
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