SWR3 Gedanken
Mein Opa ist ein geselliger Mensch gewesen. Einer, der sich im Brauhaus zuhause gefühlt hat: zwischen Stimmengewirr, Gelächter und dem Klang von Gläsern. Er hat laut diskutiert, viel gelacht und die Gemeinschaft geliebt. Als Kind habe ich ihn oft dort erlebt. Er ist Bauingenieur gewesen und hat am Abend alle Leute bei deftigem Essen zusammen an einen Tisch gebracht. Wie anstrengend der Tag auch gewesen ist, er hatte die Gabe, alle zum Lachen zu bringen. Deshalb sitze ich auch heute noch gerne in so einem Brauhaus. Ich schaue den älteren Leuten zu, wie sie reden, lachen, einfach zusammen sind – und denke an ihn. Dort, mitten im Leben, spüre ich die Sehnsucht nach meinem Opa besonders. Weil ich mich ihm dort ganz nahe fühle.
Trauer sucht sich solche Orte. Orte, die nicht unbedingt leise oder feierlich sein müssen. Für viele ist der Friedhof ein guter Platz. Ich merke: Meine Trauer braucht auch Raum im Alltag – genau dort, wo mein Leben stattfindet. Dort, wo ich Erinnerungen teile mit meinen geliebten Verstorbenen.
Denn ehrlich gesagt fällt es mir schwer, im Alltag überhaupt traurig zu sein. Ich gestehe mir das oft nicht ein, weil ich ja gut funktionieren will – meinen Job gut machen, zu Hause danach schauen, dass alles läuft. Trauer macht mich langsamer, verletzlich. Und genau deshalb schiebe ich sie manchmal gerne einfach zur Seite. Dabei ist es mir so wichtig, auch mal richtig traurig sein zu können.
Deshalb braucht meine Trauer ihren Ort, ihren Moment, ihren Platz – mitten im Leben. So wie ich ihn manchmal im Brauhaus finde, wenn ich an meinen Opa denke.
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