SWR3 Gedanken

02DEZ2025
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Ich sehe auf Insta ein Foto von einer Parkbank. Auf der Rückenlehne steht: „Für Thomas. Damit er immer einen Platz auf dieser Erde hat. Und damit alle, die ihn kannten, einen Ort haben, wo sie ihm nah sein können.“ Seine Freundinnen und Freunde haben die Bank gekauft und das drauf geschrieben. Thomas war jung, viel zu jung, als er gestorben ist. Und trotzdem ist da jetzt etwas, das bleibt: ein Platz zum Erinnern. Zum Innehalten. Zum Weiterreden. Denn manchmal hilft genau das – sich hinzusetzen und leise weiterzusprechen. Als wäre er noch da.

Wie gut, dass es diese Parkbank gibt. Weil Trauer oft sprachlos macht. Weil wir nicht wissen, wohin mit all dem, was wir noch sagen wollen. Diese Bank ist ein Ort dafür. Ein Ort, an dem Erinnerungen Platz haben dürfen. An dem seine Freundin Platz nehmen kann, um sich ihm näher zu fühlen. Oder seine Kumpels sich treffen, um gemeinsam an ihn zu denken. Eine Bank, an der, was war, nicht einfach vergeht. Wo Menschen sich gegenseitig erzählen können, wer Thomas war, was er geliebt hat, wie er gelacht hat.

Und vielleicht spürt man dort auch etwas von dem, was bleibt, wenn Worte fehlen – dieses leise Gefühl von Nähe, das sich nicht erklären lässt. Vielleicht ist genau dort auch Gott: Wo Menschen sich hinsetzen, um zu erinnern, um zu lieben, um nicht zu vergessen. Da ist Leben. Da ist etwas Heiliges.

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