SWR3 Gedanken

30NOV2025
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Bei uns zieht jedes Jahr am ersten Advent jemand ein. Eine Wichtelin. Sie heißt Alva. Und sie bringt ihre eigene Tür mit, einen winzigen Briefkasten und sogar einen Mini-Vorgarten. Schon Wochen vorher haben meine Kinder Postkarten an sie geschrieben: „Liebe Alva, ziehst du dieses Jahr wieder bei uns ein?“

Heute war’s soweit. Die Tür hängt. Alva ist zurück. Und ab jetzt schreibt sie jeden Tag kleine Briefe. Manchmal mit Quatsch, manchmal mit kleinen Aufgaben oder Geschichten. Und ganz nebenbei hilft sie uns Ungeduldigen, auf Weihnachten zu warten.

Klar, das ist keine klassische Weihnachtstradition. Und mit Jesus hat das auf den ersten Blick auch nicht viel zu tun. Aber nur auf den ersten Blick.

Denn Alva macht genau das, was Advent eigentlich bedeutet: Sie schafft Erwartung. Sie schenkt uns kleine Momente der Vorfreude, indem sie meine Kinder zum Lachen bringt. Abends legen die Kinder ihr kleine Briefe in den Briefkasten; und morgens stürmen sie als erstes ins Wohnzimmer um zu sehen, was Alva ihnen für eine Tagesaufgabe gibt: Aufschreiben, was sie alles Tolles am Tag erleben, jemandem ein Kompliment machen oder einfach mal laut einen Witz in der Schule erzählen. Die Wichtelin macht unseren Advent zu einem Ausnahmezustand. Und der heißt: Leben schätzen und lieben lernen.

Meine Kinder wissen übrigens, dass es Alva in echt gar nicht gibt. Sie wissen, dass Mama und Papa dahinterstecken. Und sie wissen auch, worum es an Weihnachten wirklich geht: Dass manchmal etwas ganz Kleines kommt – still, unscheinbar – und plötzlich wird alles heller. So wie durch eine kleine Tür, die sich öffnet und Hoffnung hereinlässt.

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