SWR4 Abendgedanken

01DEZ2025
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Eine „Ruhezone“ mitten im lauten Rockkonzert?! Sowas gibt es. Meine Bekannte Elisa hat mir neulich begeistert davon erzählt. Solche Ruhezonen sind abgetrennte Bereiche, etwas abseits der Menge wo die Musik nicht ganz so laut ist. Elisa ist da hin, weil es ihr in der vollen Konzerthalle mit der Zeit zu viel geworden ist.

Ich war letzten Samstag in der Mannheimer Innenstadt, im Weihnachts-Einkaufs-Wahnsinn, und so einen Ruheraum habe ich da auch gut gebrauchten können. Ich habe bei meiner Shopping Tour das volle Programm erlebt: Überfüllte Straßen, Kaufhäuser, in denen es vor Menschen nur so wuselt und Weihnachtsmusik, die aus den Lautsprechern schallt. Mir waren das Getümmel und die Lautstärke in dem Moment schnell zu viel. Als ich da so gestresst auf der Einkaufsstraße unterwegs war, bin ich an der Mannheimer Stadtkirche vorbeigekommen. Ich kenne die Kirche gut, ich habe dort gearbeitet. Aber nur für mich, einfach so, war ich noch nie drin. Kurzentschlossen bin ich rein und drinnen war es fast menschenleer und so still. Was für eine Ruhezone! Ich habe mich auf die Kirchenbank fallen lassen, habe meine schweren Einkaufstaschen abgestellt und kurz durchgeatmet.

Von Jesus kenne ich diesen einen Satz auswendig: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch Ruhe schenken.“ (Mt 11,28). Da in der Kirchenbank habe ich richtig gefühlt, was das heißt: dass ich bei Jesus alles abladen kann. Und dass es eben Gott gibt, der mir meine Last abnimmt und mich kurz durchatmen lässt.

Ruhe ist was Göttliches. Immer wenn es laut und hektisch ist, fühlt sich Ruhe nach mehr an als nur nach einem Fehlen von Lärm. Sie ist Erleichterung, Aufatmen und Balsam für die Seele – göttlich eben.

Für mich war die Mannheimer Stadtkirche in dem Moment die perfekte Ruhezone. Ich weiß aber auch: wenn es hoch her geht, habe ich nicht immer so einen ausgeschilderten Ruheraum. Wenn mich mein Alltagsstress gefangen hält, kann ich nicht einfach die Tür hinter mir zu machen. Aber ich will auch dann Momente der Ruhe einfordern. Sei es, dass ich den Weg zum Briefkasten bewusst gehe, oder, dass ich im Aufzug den Moment der Stille genieße.

Ich muss nicht immer funktionieren und mich abrackern. Wie war das bei Jesus? „Komm zu mir … ich will dir Ruhe schenken.“ Ich darf Pause machen und will jetzt im Advent besonderes dafür einstehen: für meine persönliche Ruhezone.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43403
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