SWR3 Worte
Eine Nikolausgeschichte von Gerhard Eberts:
Der junge Student rief sich noch einmal alles in Erinnerung, was man ihm beim Nikolaus-Verleihdienst gesagt hatte. Auf keinen Fall dürft ihr den Kinderschreck machen, hatte man ihm gesagt. (…)
Aber es half nichts. Das Kind schrie wie am Spieß. (…) Ganz langsam nahm er die Bischofsmütze vom Kopf (…) und legte (…) den weiten roten Mantel zur Seite. Das Kind sah (…) mit großen Augen zu und vergaß zu weinen. (…)
Jetzt löste der Student den langen Bart. Ein junges, verlegenes Gesicht kam unter dem Bart hervor. (…) Der Student und das Kind (…) lachten miteinander.
Der Student erzählte (…) dass (Nikolaus) schon lange tot und ein guter Mensch gewesen sei. Und (…) dass seither junge Männer in die Rolle (…) schlüpfen, um sich an ihn zu erinnern. Das Kind hörte mit großen Augen zu.
Der Zauber sei dahin, sagten die Erwachsenen. Der Student dachte: Was uns bleibt, ist das Wunder.
Quelle
Gerhard Eberts, Das Wunder, in: Andere Zeiten e.V. (Hg), Der Andere Advent 2013/2014, 6.12.
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