Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Manche Gerichte brauchen nur eine einzige, besondere Zutat, um ihren Charakter zu entfalten. Denken Sie zum Beispiel an das Gewürz Curry: Das gibt jedem Gericht eine unverkennbare Note. Und die meisten Sachen heißen dann sogar Curry – obwohl noch viele andere Zutaten drin sind. Die Kernzutat ist das, was den Unterschied macht.
Wenn ich das mal auf mich und meinen Glauben übertrage: Was gibt meinem christlichen Glauben den unverkennbaren Geschmack? Wonach sollte Kirche „schmecken“? Früher wäre die Antwort wahrscheinlich gewesen: Der Gottesdienst am Sonntagmorgen.
Der Gottesdienst am Sonntagmorgen. In den meisten Kirchengemeinden gibt es ihn immer noch. Manchmal ist er auf einen Abendtermin gewandert, und es gibt viel mehr unterschiedliche Formen als früher. Ich feiere gerne Gottesdienst! Aber einfach nur „Gottesdienst feiern“, das ist allein noch nicht die Kernzutat denke ich. Mich beschäftigt die Frage schon länger, seitdem ich mal wieder über einen Text aus dem Jesajabuch gestoßen bin: Dort spricht Gott zu den Menschen, die sich fragen, warum er manchmal so weit weg erscheint.
Und Gott gibt eine überraschend direkte Antwort. Er sagt, sie fokussieren sich auf das Falsche. Ja, die Gottesdienste sind voll. Alle beten viel und der König mitsamt der Regierung fasten regelmäßig. Aber mit dem Herzen sind sie nicht dabei, sagt Gott. Weil sie sich von Gott trotzdem nichts sagen lassen.
Was Gott will, steht in den Versen danach:
„Löst die Fesseln der zu Unrecht Gefangenen, bindet ihr drückendes Joch los!
Teil dein Brot mit dem Hungrigen, nimm die Armen und Obdachlosen ins Haus auf. Und entzieh dich nicht deinem Nächsten!“
Hier sind wir beim essenziellen für den christlichen Glauben angelangt. Das ist, kurz gesagt: ich muss mir von Gott auch etwas sagen lassen. Dafür muss sollte ich Gottesdienst feiern. Um Geschmack zu bekommen am Einsatz für seine Gerechtigkeit.
Der Text aus Jesaja ist da sehr deutlich: Er sagt, dass genau dort das Licht Gottes scheint. Dass wir dort, wo wir Gerechtigkeit tun, Gott am nächsten sind.
Wenn man diesen Text fragt, was das Unverzichtbare am Christsein ist, dann ist das nicht einfach bloß der Sonntagsgottesdienst. Es ist das, was der mir sagen will. Was er mir mit auf den Weg geben will: Geschmack finden an der besonderen Würze, die Gott unserem Leben geben will. Und sich einsetzen für Gottes Gerechtigkeit. Der Sonntagsgottesdienst erinnert uns daran, was wesentlich ist. Gerechtigkeit und Glaube funktionieren nicht ohne einander. Der Einsatz für Gerechtigkeit ist das, was unseren Glauben ausmacht. Das, was den Unterschied macht.
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