Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

01DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Früher, da bin ich ein richtiger „Grinch“ der Vorweihnachtszeit gewesen: ein Adventsgrinch. Den ganzen Trubel in der Adventszeit fand ich einfach nur furchtbar. Die überfüllten Weihnachtsmärkte, die kitschigen und viel zu oft gespielten Lieder. "Last Christmas", "Jingle Bells", "Driving home for Christmas". Dann die Häuser, die Weihnachtsbäume, Rentiere und Weihnachtsmänner im Garten, die um die Wette blinken und leuchten.

Für mich ist das ganz schlimm gewesen – so furchtbar oberflächlich: Der ganze Kitsch. Was ist eigentlich mit der Besinnung in der Adventszeit?“ habe ich innerlich gestöhnt. „Und wer weiß eigentlich noch, um was es "wirklich" geht im Advent?“

Ich bin auch jetzt niemand, den man im Advent täglich auf dem Weihnachtsmarkt treffen würde. Und einen großen Weihnachtsbaum mit festlicher Beleuchtung habe ich immer noch nicht im Garten stehen – was allerdings daran liegt, dass ich keinen Garten habe. Wenn ich einen hätte, dann würde ich mir heute vielleicht sogar einen aufstellen. Denn ein Adventsgrinch bin ich nicht mehr.

Und zwar wegen einer biblischen Geschichte. Die gehört auch in die Adventszeit, und für mich ist sie immer wichtiger geworden: Die Erzählung, wie Jesus in Jerusalem einzieht. Das ist zwar nicht die Weihnachtsgeschichte, wie Jesus geboren wird und in unserer Welt ankommt. Sondern in der wird erzählt, wie Jesus als erwachsener Mann in Jerusalem ankommt. Wie die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt gespannt auf ihn gewartet haben. Und wie sie ihm fröhliche Lieder singen und sogar ihre Kleider auf den staubigen Boden werfen und Palmzweige dazu, wie einen roten Teppich auf seinen Weg. Ein angemessener Empfang für jemanden wie Jesus.

Die Geschichte hat mir klar gemacht: Wenn Jesus kommt, dann ist das ein weltbewegendes und für meinen Glauben zentrales Ereignis. Und die Vorfreude, dass Jesus geboren ist, ist ja wohl Grund genug, um fröhlich zu sein und die Straßen mit Lichtern zu schmücken und jedes Jahr die größte Geburtstagsparty der Welt zu schmeißen. Und Geburtstage kann man sehr unterschiedlich feiern – aber gutes Essen, viel Licht und fröhliche Lieder über Wochen hinweg – eigentlich passt das schon ziemlich gut.

Natürlich steht für einige nicht das im Mittelpunkt, was wir an Weihnachten in unseren Kirchen feiern: Dass Gott in Jesus auf die Welt gekommen ist. Ich glaube aber, dass die blinkenden Lichter, die Weihnachtsmärkte, die Geschenkberge und kitschigen Lieder für viele ein Licht sind in dunklen Tagen. Ein Zeichen von Wärme, von Gemeinschaft, von etwas, das größer ist als der graue Alltag. Vielleicht wissen nicht alle genau, warum sie eigentlich feiern. Vielleicht würden manche den Namen Jesu gar nicht zuerst nennen. Und doch spüren sie: Diese Zeit ist anders. Heller. Hoffungsvoller.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43390
weiterlesen...