Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Wie jeden Abend setze ich mich auch an diesem Abend noch kurz ans Bett meines Sohnes. Wir sprechen meistens noch über den Tag, überlegen was gut lief und was nicht so gut lief.
An diesem Abend hält mein Sohn jedoch lange inne und sagt völlig aus dem Nichts: Papa, ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass ich einmal nicht da war. Und auch, dass ich irgendwann nicht mehr da sein werde. Wie kann das sein? Ich finde das genauso verrückt wie du, sage ich ihm.
So jung, und schon solche Fragen, denke ich mir. Aber viele Kinder fragen so. Wenn ich mich in der Geschichte der Menschheit umsehe, dann hat Menschen schon immer fasziniert, dass sie existieren. Dass sie überhaupt da sind. Dass es etwas gibt und nicht Nichts. Das ist doch ein riesiges Wunder.
Nach dem Gute-Nacht-Sagen gehe ich die Treppe runter und frage mich, wie oft ich eigentlich darüber staune, dass ich überhaupt da bin. Viel zu selten, denke ich. In meinem Alltag ist meistens alles andere wichtiger. Der Alltag fordert meine ganze Aufmerksamkeit.
Umso dankbarer bin ich, dass mein Sohn mich manchmal daran erinnert, dass das Leben doch etwas völlig Verrücktes und etwas total Wunderbares ist.
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