SWR3 Gedanken

27NOV2025
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In meiner Wohnung richte ich jetzt alles auf Advent ein: Sterne, Engel, Rotkehlchen, Fensterbilder, Lichter. Gerade wenn ich das tue, muss ich daran denken, dass Leute bei uns auf der Straße leben. Junge und Alte, selbst Kinder. Bei allen, die draußen leben, die ich kennengelernt habe, war fast niemand dabei, der sich das selbst ausgesucht hat.

Eigentlich wollen alle ein Zuhause haben. Wollen jetzt die Wohnung mit Adventskranz und Engeln schmücken und gemütlich im warmen Wohnzimmer die dunklen Tage verbringen und Tee trinken. Anstatt einen Schlafplatz auf einer Parkbank, dem Heizungsschacht, einer Baustelle oder Gartenlaube zu suchen.

Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag stehen, dass Obdachlosigkeit in Deutschland bis 2030 beseitigt werden soll. Aber ab dem nächsten Jahr soll das Bürgergeld abgeschafft werden und eine Grundsicherung eingeführt, die Menschen so rigoros bestraft, wenn sie einen Termin verpassen oder einer Auflage nicht nachkommen, dass jetzt schon klar ist, dass mehr Menschen dadurch in Wohnsitzlosigkeit geraten werden. Zudem werden Wohnungen, die mal als Sozialwohnungen gebaut wurden, teuer renoviert und dem freien Wohnungsmarkt zugeführt.

Für die Menschen, die jetzt schon draußen sind, sorgt das für immer düsterere Aussichten. Wenn alle es sich gemütlich machen, sich einstellen auf Weihnachten mit Geschenken und köstlichem Essen, fühlt es sich noch schwerer an, eine eiskalte oder gar keine Wohnung zu haben.

Ich jedenfalls wünsche mir und vor allem denen, die auf der Straße leben müssen, sehr, dass in unserem reichen Land auch Ärmere bald wieder leichter Wohnungen finden. Damit auch sie zum Advent die Wohnung schmücken und in Frieden Tee trinken können.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43382
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