SWR3 Gedanken

26NOV2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ich liebe das: Ein ganzer Raum voll mit Tannenzweigen, Mädchenkiefer, Muschelzypresse, Wacholder mit kleinen Zapfen, Efeu, Hagebutten. Wir binden Adventskränze für die Kirche, das Pfarramt und für zuhause. Es duftet. Gisela ist Profi.

Ratzifatzi bindet sie drei Kränze, während ich einen fertig bekomme. Sie kann sogar aus dem Müll der anderen noch die tollsten Kränze binden. Meine sind schief, verstrubbelt und wild, ihre sind aufgeräumt und perfekt. Andere Leute kommen und müssen erstmal alles erklärt bekommen: Wie das geht mit dem Draht und den Zweigen. Dennis war schon öfter dabei, seine Spezialität: der Doppeldeckerkranz. Nach kurzer Zeit sind wir in einer Mischung aus Fieber - noch einen, noch schöner - und Stille: vor sich hinwurschteln, Material auswählen, Zweig um Zweig, im Duft, im Schauen was die anderen so machen. Kranz um Kranz. Ich liebe das. Der Advent hat für mich damit zu tun, den Weg zu bereiten. Es gibt Theologen, die sagen: Es liegt gar nicht an dem, was wir tun. Wir können nichts beitragen dazu, dass Gottes Reich der Gerechtigkeit, wann und ob Jesus kommt.

Mir dagegen tut gut zu wissen: Ich kann etwas tun, aufgeregt und begeistert. Oder ganz in Ruhe: Jesus den Weg bereiten, Stück für Stück die Wohnung vorbereiten und schmücken, und das Herz mit Aufmerksamkeit und Freundlichkeit, das Gesicht mit leuchtenden Augen und die Kirche mit Zweigen und dem großen Adventskranz. All das geschieht in den kleinen liebevollen Gesten: Den Karton vom Dachboden holen. Die Glas- und Holzfiguren auf die Fensterbank und aufs Regal drapieren. Sterne basteln, leuchtend rote Rotkehlchen ins Fenster. Lichter in die Dunkelheit. Jesus kommt – der Freund der Kinder und der kleinen Gesten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43381
weiterlesen...