SWR3 Gedanken

25NOV2025
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Harte Zeiten: Arme werden immer ärmer, das Klima kaputter, viele Menschen aggressiver und verzweifelter, Dunkelheit breitet sich aus – November! „Hard times require furious dancing“ – Harte Zeiten erfordern leidenschaftliches Tanzen, sagte Alice Walker, afroamerikanische Autorin und Bürgerrechtsaktivistin. Es ist höchste Zeit zu tanzen, furios, leidenschaftlich. Für Euch die falsche Antwort auf diese Zeit? Scheint Euch das leichtsinnig oder einfach unangemessen?

Alle Menschen, von denen ich mir etwas abschauen will, waren und sind leicht-sinnig. Keine Erbsenzähler, sondern solche wie der heilige Franziskus, Francesco, den seine Freund*innen Bruder Leichtfuß nannten, obwohl er häufig depressiv war und an den harten Zeiten verzweifelte. Er predigte den Rotkehlchen, den Rosen und den Wölfen.

Francesco ist ein Vorbild, wenngleich er verachtet wurde: Erbe ausgeschlagen, Familie im Stich gelassen, durch die Gegend gewandert mit Freundinnen und Freunden ohne vernünftige Lebensgrundlage. Sich gern selbst zum Essen und auf Feste eingeladen, immer wieder, bei nicht besonders ehrwürdigen Leuten. So hat das Jesus auch gemacht.

Leichtsinn gehört zum Wesen Jesu. Ich meine: Auch zum Christentum, gerade in diesen schweren dunklen Zeiten. Der leichte Sinn macht das Atmen leichter und das Tanzen, das Lachen sowieso. Vielleicht ladet ihr Rotkehlchen ein auf den Balkon, mit Vogelfutter.

Die singen mitten in der Dunkelheit. Vielleicht geht ihr gerade jetzt einmal tanzen:
Tief durchatmen und los! Der leichte Sinn erlaubt es, die Nase in den nebligen und dunklen Himmel recken, laut Nein und Halleluja rufen, statt leise Ja und Amen murmeln. Und furios, ja leidenschaftlich tanzen.

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