Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

24NOV2025
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Gestern war Jugendsonntag. In vielen katholischen Gemeinden gab es dazu besondere Jugendgottesdienste. In diesem Jahr ging es um ein Gefühl, das viele kennen: „Ich gehöre nicht dazu.“ Und gleichzeitig um die Zusage, dass Jesus sich genau den Menschen zuwendet, die von anderen ausgegrenzt werden.

Den Jugendsonntag gibt es schon lange. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts haben sich katholische Jugendgruppen getroffen, damals noch am Sonntag nach Pfingsten, um gemeinsam ihren Glauben zu feiern. Doch in der Zeit des Nationalsozialismus wurde das immer schwieriger. Treffen und Gruppenstunden waren verboten, nur rein religiöse Anlässe durften bleiben. So bekam der Gottesdienst am Jugendsonntag eine neue Bedeutung. Das haben auch die Nationalsozialisten bemerkt. Sie haben ausgerechnet auf diesen Tag ihr Reichssportfest gelegt und haben den Jugendlichen so die Möglichkeit genommen, sich zu treffen.

Doch die jungen Menschen haben sich damit nicht abgefunden. Sie haben ihren Jugendsonntag in den November, auf das Christkönigsfest, verlegt. Sie haben damals bewusst Christus als ihren König der Welt gefeiert und damit ein deutliches Zeichen gegen den Führerkult Hitlers gesetzt. Statt der Hakenkreuzfahne haben ihre Banner das Christussymbol getragen. 1934 kamen allein im Kölner Dom rund 30.000 Jugendliche zusammen. Ein starkes Zeichen gegen die Herrschaft der Nazis.

Der christliche Glaube war immer politisch. Jesus hat sich auf die Seite der Armen und Ausgegrenzten gestellt. Und hat klar gesagt, was ungerecht war. Durch alle Zeiten gab es Menschen, die aus ihrem Glauben heraus mutig waren, die sich gegen Diktatur, Faschismus und Ungerechtigkeit gestellt und dafür sogar ihr Leben riskiert haben.

Zwar auch politisch, aber nicht in Jesu Sinne verhalten sich dagegen evangelikale Gruppen in den USA, die gerne öffentlichkeitswirksam an der Seite von Donald Trump beten. Sie setzen auf Macht, während Jesus die Machtlosen gestärkt hat. Sie erklären Trumps Politik für gottgewollt – obwohl sie den Schwächsten schadet, Fremde abwertet und Menschen brutal abschieben lässt. Vermutlich hätten sie auch Jesus selbst abgewiesen: einen Mann ohne Besitz, fremd, unbequem.

Gott sei Dank kritisieren neben Papst Leo nun auch die katholischen Bischöfe der USA, die Massenabschiebungen der Trump Regierung und das Klima der Angst, das dadurch im ganzen Land herrscht. Sie sagen deutlich: die entmenschlichende Gewalt und Rhetorik muss aufhören!

Christlicher Glaube muss sich einmischen, wenn Unrecht geschieht. Wenn das fehlt, wird der Glaube zur bloßen Dekoration für nationale Interessen und hat mit Jesus nichts mehr zu tun.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43377
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