Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Im Schwetzinger Schlosspark hat in den vergangenen Tagen jede Skulptur, die im Freien steht, ein Holzhäuschen drumherum gebaut bekommen. Der Park wird winterfest gemacht, und die Holzhäuschen sind dazu da, die Skulpturen vor Frost und Nässe zu schützen.
Ich stelle mir vor, wie es wäre, auch mein Herz winterfest zu machen, es also auf die dunklen und oft belastenden Wintermonate vorzubereiten und zu schützen.
Ganz abschotten und einbauen, wie die Skulpturen im Schlosspark, möchte ich mein Herz natürlich nicht. Ich möchte schon noch mitbekommen, wie es den Menschen geht, mit denen ich zu tun habe. Möchte sensibel dafür sein, wenn jemand einsam ist oder mich berühren lassen, wenn mir jemand erzählt, dass es ihr gerade schlecht geht. Und genauso möchte ich spüren, dass mein Herz schneller schlägt, wenn ich in jemanden verliebt bin, oder wie mein Herz vor Freude schier zu platzen scheint, wenn ich im Konzert bin und die Musik mich ganz erfüllt.
Mein Herz winterfest zu machen, meint etwas anderes und ist irgendwas zwischen „ich möchte mich nicht abschotten“ und „ich möchte nicht allem schutzlos ausgeliefert sein“.
Die Bibel beschreibt dieses dazwischen mit dem Bild eines „festen Herzen“. Der Apostel Paulus schreibt an einer Stelle: „Lasst euch nicht (…) irreführen; denn es ist gut, dass euer Herz durch Gottes Gnade gefestigt wird.“ (Hebr 13,9).
Ein festes Herz haben – das heißt, dass ich weiß, was mich trägt und stützt. Was mir hilft, mich nicht verrückt machen zu lassen von dem, was jeden Tag so ansteht. Dass ich mich durch die Meinung von anderen nicht ständig verunsichern lasse. Und dass mich äußere Umstände, wie die Lage in der Welt oder das herbstliche Wetter, nicht gleich aus der Bahn werfen.
Doch wie soll das gehen? Das Herz fest machen, auch wenn es um mich herum kalt wird und stürmt? Die täglichen Herausforderungen bleiben. Und sie werden auch nicht kleiner, nur weil ich mir vornehme, mir weniger Sorgen zu machen.
In der Bibelstelle heißt es, dass das durch Gnade passiert. Dass es mir also geschenkt wird. Dass ich, wie bei meinem Herzschlag, nichts dafür tun kann. Mein Herz pocht ja auch von selbst.
Aber ich kann mir vorstellen, dass Gott um mein Herz ein Häuschen aus Liebe gebaut hat. Also eine Art Extra-Schutzschicht, die mich – wie die Skulpturen im Park – mittendrin im Leben sein lässt, aber mich eben auch, so gut es geht, vor bleibenden Schäden behütet. Und dieser Glaube allein, dieses Zutrauen könnte schon reichen, dass ich gut behütet durch den Winter komme.
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