SWR1 3vor8
Es gibt diese Zeiten in denen ich unzählige Dinge vor mir herschiebe.
Den Geburtstagsanruf, den ich längst hätte machen wollen. Das Ausmisten der berühmten Kruschtelschublade. Oder das Gespräch mit einem guten Freund, um ein Missverständnis aus dem Weg zu räumen.
Und dann kommt das Leben dazwischen: Alltag, ein Arzttermine oder ein Handwerkerbesuch. Manche Dinge kann man problemlos schieben. Wenn die Schublade ein paar Wochen länger chaotisch bleibt – nicht schlimm. Aber beim Geburtstagsanruf oder bei einer versöhnenden Aussprache ist das anders. Da kann es tatsächlich ein „zu spät“ geben. Da macht es einen Unterschied, wenn ich meine Prioritäten falsch gesetzt habe.
Vorbereitet zu sein und die eigenen Prioritäten richtig zu setzten: Genau darum geht es auch in einer biblischen Geschichte, die Jesus einmal seinen Anhängerinnen und Anhängern erzählt. Es geht um eine Hochzeit, ein großes Fest. Zehn junge Frauen sind auch dazu eingeladen. Sie warten nachts darauf, dass der Bräutigam in ihrer Stadt ankommt, um ihn dann festlich durch die Straßen zu begleiten. Dafür haben sie Lampen dabei – kleine Öllampen. Fünf der jungen Frauen haben genug Öl eingepackt – sie sind vorbereitet. Die anderen fünf nicht. Als der Bräutigam endlich kommt, sind ihre Lampen ausgegangen. Sie laufen schnell los, um Neues zu besorgen. Aber als sie zurückkommen, ist die Tür bereits geschlossen. Und Jesus schließt die Geschichte mit dem Rat: „Bleibt wachsam! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“
Das Gleichnis selbst erzählt hart davon, dass es ein „zu spät“ geben kann. Ein „zu spät“ um mich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist und was ich wirklich geklärt haben sollte in meinem Leben. Es gibt Dinge, die man nicht endlos aufschieben kann – anders als die Kruschtelschublade. Darum der sehr eindringliche Aufruf, seine Prioritäten richtig zu setzen.
Ich höre darin jedoch weniger eine Drohung als einen Weckruf. Einen Impuls, sich dem Wichtigsten zuzuwenden. Und zugleich vertraue ich darauf, dass Gott größer ist als jedes Gleichnis. Dass uns am Ende keine zugeknallte Tür erwartet, sondern eine Liebe, die uns kennt und trägt.
Diese Hoffnung ist es, die mich beruhigt – sogar dann, wenn ich selbst einmal zu spät dran bin.
