SWR4 Abendgedanken

24NOV2025
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Übergangslos zum nächsten Thema oder zum alten Zustand übergehen: Das gefällt mir nicht. Ich finde: Übergänge sind etwas Gutes.

Ein Freund von mir war länger krank. Nun ist er in der Reha und kann es kaum abwarten, endlich wieder in seinem Beruf voll durchzustarten. Ich fürchte, dass er sich dabei übernimmt und wünsche ihm, dass er auf seine Ärzte hört, die ihm zu einer Übergangszeit raten. Wiedereingliederung heißt der Fachbegriff. Meinem Freund gefällt das überhaupt nicht; vermutlich, weil er von seiner Krankheit schon ziemlich lange sozusagen „ausgegliedert“ gewesen ist, herausgerissen aus seinem gewohnten Arbeitspensum. Übergangszeit? Darauf hat er so gar keine Lust.

In einer solchen Übergangszeit befinden wir uns gerade im Kalenderjahr. Gestern haben wir in unseren evangelischen Kirchen Totensonntag gefeiert. Manche Menschen haben diesen Sonntag ganz bewusst begangen, waren in der Kirche oder auf dem Friedhof und haben an ihre Verstorbenen gedacht. Noch eine Woche ist es jetzt bis zum ersten Dezember, bis die Kinder wieder das erste Türchen am Adventskalender öffnen. Und dazwischen diese Woche des Übergangs. Nicht mehr Totensonntag, noch nicht Advent. Ein bisschen von beidem und doch wieder anders.

Mich stimmen solche Übergangs-Zeiten auf eine Weise froh und leicht. So eine Übergangszeit sagt mir, dass nicht alles, was im Leben geschieht, festgelegt sein muss und sich in einem festen Rahmen bewegt. Nicht alles muss immer gleich hundert Prozent sein.

So sehr ich die geprägten Festtags-Zeiten wie Advent mag: Wie gut, dass es auch das Dazwischen gibt: Die kleine Pause mit dem Freiraum für den sanften Übergang von einem Thema zum nächsten.

Ich wünsche meinem Freund in der Reha, dass er in seiner Ungeduld nicht zu voreilig auf seine Übergangszeit verzichtet, dass er sich Zeit lassen kann, wieder zurückzufinden und dass er es genießen kann, langsam da anzukommen, wo er hinwill.

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