SWR Kultur Wort zum Tag

27NOV2025
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Es ist morgens kurz vor sieben; die Zeit, zu der ich meistens aufstehe. Und ich bin müde. Kopfschmerzen, Augenbrennen, alles fühlt sich dumpf und schwer an.

Mein Schlaf und ich, wir haben so eine On-Off-Beziehung. Und schuld daran bin jedenfalls nicht ich … Ich liebe ihn, meinen Schlaf, er ist mein Freund! Und ziemlich unzuverlässig. Mal kommt er abends genau dann, wenn ich auf ihn gewartet habe, nimmt mich in die Arme, ganz ruhig, ganz zart und warm und fest. Dann entspanne ich mich, schlafe ein - und sieben Stunden später, wenn der Wecker klingelt, ist alles gut. Ja, es gibt Nächte, da ist alles gut zwischen mir und meinem Freund, dem Schlaf.

Leider sind das nicht so viele, jedenfalls deutlich weniger als die anderen. In denen warte ich. Ich warte und wache. So ist das mit mir und dem Schlaf: ich bin glücklich, wenn er nachts da war. Oft fehlt er mir, bis ich morgens aufstehe, und die Welt ist überhaupt nicht in Ordnung - meine kleine genauso wenig wie die große ganze.

Dass Menschen sich nachts herumwälzen, ist nicht erst ein Thema unserer katastrophal beschleunigten Gegenwart. Und nicht schlafen können ist auch nicht einfach ein privates Problem; eine um sich greifende Schlaflosigkeit spiegelt, was gesellschaftlich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wenn es außen still wird, wird’s innen laut. Die Nachrichten des Tages stecken als Unruhe in den Gliedern, ihre Bilder flackern im Herzen. Wir leben in einer unfriedlichen Welt, und sie lebt in uns im Dunkel der Nacht. Die private Not steht im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Krisen.

Davon erzählen Chatgruppen von Schlaflaboren und Texte der Bibel. Gott warum sind es so viele, die mich bedrängen?, bricht es aus jemand heraus, aufgeschrieben in Psalm 3, einem „Morgenlied in böser Zeit“. Sie sagen über mein Leben: das wird doch nie von Gott befreit. (Ps3,2a.3) Wenn ich das lese, denke ich: Ja, der kennt schlaflose Nächte, äußeren Unfrieden und innere Unruhe. Das sind Worte auch für meine Schlaflosigkeit. Ich suche weiter und finde in Psalm 4 den Satz: In Frieden kann ich mich niederlegen und einschlafen. Denn Du, Ewiger, lässt mich sicher wohnen, auch wenn ich allein bin.  (Ps. 4,9). Das merke ich mir für den Abend als Gebet um himmlische Hilfe für mich und alle Schlaflosen in der beunruhigten Welt. Ich lege mich nieder und vertraue. Die Nacht geht vorüber, auch wenn mein Freund der Schlaf sich nicht blicken lässt.

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