SWR4 Sonntagsgedanken

16NOV2025
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Kennen Sie das Gefühl, wenn man wartet und die Zeit sich wie Kaugummi zieht? Wenn man nach einem schwierigen Gespräch eine Nachricht erwartet. Oder auf das Ergebnis einer Prüfung wartet. Auf eine Entscheidung, die jemand über einen trifft? Man wartet, und man weiß nicht, was kommt.

So geht es einem Mann in der Bibel. Er ist ein wichtiger Beamter am Königshof und sein Sohn ist todkrank. So ist seine allerletzte Hoffnung Jesus. Er bittet ihn, dass er seinen Sohn gesund macht. Als Jesus zu ihm sagt: „Dein Sohn lebt“, glaubt es der Vater – und auf dem Heimweg erfährt er, dass sein Sohn genau in diesem Moment gesund geworden ist.

Diese Erzählung ist eines der ersten Heilungswunder, von dem die Bibel berichtet. Und der, der Jesus bittet, ist ein königlicher Beamter. Ein Mann, der viel Geld, ein hohes Ansehen und Macht hat.

Der Beamte am Königshof ist es wohl gewohnt, dass andere seine Befehle ausführen und seinen Anweisungen folgen. Doch als er zu Jesus kommt, wendet sich für ihn das Blatt. Er selbst bittet um etwas. Und er hat das feste Vertrauen, dass Jesus helfen kann.

Ich bin fasziniert, wie Jesus hier mit einem Wort heilt. Er muss nicht vor Ort sein oder etwas Besonderes tun – ein einziges Wort von ihm reicht aus. Was Jesus sagt, das passiert auch! Wenn Jesus sagt: „Dein Sohn lebt“ – dann wird der Junge in diesem Moment gesund. Jesus sagt an anderer Stelle in der Bibel: „Steh auf, nimm dein Bett und geh“. Und der Kranke ist gesund und steht auf. Wenn Jesus sagt: „Deine Sünden sind dir vergeben“, dann sind sie vergeben. Das ist das absolut einzigartige an Jesus: Das, was er sagt, tritt ein.

Dass der Sohn gesund wird, ist ein riesiges Wunder. Doch ein ebenso großes Wunder ist, dass das Wort Jesu genau das tut, was es aussagt.

Der Mann glaubt Jesus, als er sagt „dein Sohn lebt“. Und er macht sich auf den Heimweg, obwohl er nichts sieht. Der Vater sieht kein Zeichen, keine sichtbare Heilung, keinen Beweis. Er vertraut dem Wort. Auf dem Heimweg erfährt er: Sein Sohn ist genau zu dem Zeitpunkt gesund geworden, als Jesus das gesagt hatte.

Glauben, das bedeutet auf Jesus zu vertrauen– auch ohne sichtbare Beweise. Jesu Wort allein reicht.

Es ist fast eine Heilung im Vorbeigehen. Jesus begegnet dem Vater in seiner Verzweiflung, hört ihm zu, nimmt ihn ernst. Er versteht, wie sich Angst, Hoffnung und Schmerz anfühlen. So stelle ich mir echte Mitmenschlichkeit vor.

Und gleichzeitig ist Jesus mehr als ein Mensch. Er ist ganz Gott: Mit der Vollmacht Gottes spricht er einen Satz – und Leben kehrt zurück. Kein Zauber, kein Spektakel, keine Inszenierung. Nur Liebe in Macht.

Ich glaube dran, dass Jesus das auch heute noch tut: Er spricht Worte, die Leben bringen. Er sieht unser Vertrauen – auch wenn es schwach ist. Und er handelt – vielleicht nicht immer so, wie ich es erwarte, aber immer aus seiner göttlichen Liebe heraus.

Ich gebe gerne zu, dass ich auch andere Zeiten kenne. Da stehe ich an einem Punkt und bete, und bitte – aber nichts passiert. Ich hätte es dann gern sichtbar, spürbar und eindeutig. Und muss mich damit begnügen, dass Gott sagt:
„Vertrau meinem Wort. Geh los. Ich bin am Handeln, auch wenn du es noch nicht sehen kannst.“

Diese Art von Glauben ist nicht blind – sondern hörend. Er hört auf die Stimme Jesu und nimmt sie ernst.
Denn wer Jesus begegnet, der begegnet nicht nur einem Menschen, sondern dem lebendigen Wort Gottes, das auch heute spricht.

Wenn Jesus spricht, dann geschieht etwas – selbst, wenn meine Augen noch keine Veränderung erkennen.

Wer weiß, vielleicht gibt Jesus mir ja genau heute etwas zu verstehen. Und dann laufe ich hoffentlich los und vertraue.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43331
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