SWR Kultur Wort zum Tag

21NOV2025
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Gut geschlafen? Eines dürften wir heute Morgen alle gemeinsam haben - mit Ausnahme derer die, aus der Nachtschicht erst nach Hause kommen: wir sind aufgewacht, genauer noch: wir sind aufgeweckt worden. In jedem Fall war es die innere Uhr, vielleicht auch der Wecker, womöglich eine zärtliche Berührung oder schlicht der schnöde Pflichttermin. Ja, wir sind aufgewacht hinein in den Tag, wir sind aufgeweckt aus dem Schlaf. So konkret ist das gemeint mit der Auferweckung der Lebenden und der Toten. Heraus dem Schlaf, der ja als des Todes Bruder gilt. Heraus aus der Nacht. Auferweckt, um das Licht der Welt zu erblicken. Gerade jetzt im Totenmonat November, wo die Tage immer kürzer werden, ist das eine aufregende Sache, eigentlich ein ständiges Wunder. Statt „gut geschlafen“ könnte ich also auch fragen: „Bist du schon da, bist du schon aufgewacht und aufgeweckt?“ Gibt es etwas Schöneres als einen aufgeweckten Menschen, ganz da und bereit für den Tag, so kurz oder schwer der auch werden mag? Und wie schade, wenn man mit dem falschen Fuß aufgestanden ist und nicht so recht hineinkommt ins Licht und ins Leben.

Es ist kein Zufall, dass diese Bildrede von der Auferweckung biblisch in den Mittelpunkt christlicher Hoffnung rückt. Gott, „der du Jesus aus den Toten erweckt hast“, so lautet das älteste Osterbekenntnis. Man jubelt darüber, wie treu und verlässlich dieser Gott ist: nicht nur aus Ägypten und Babylon, Inbegriff aller Gewaltsysteme, rettet er. Auch aus dem Todesschlaf. Jesus ist den Glaubenden der „Aufgeweckte“ schlechthin, in allem hellwach für Gottes Gegenwart. Jeder Tagesbeginn ist schon ein kleiner Ostertag. In einem uralten Hymnus heißt es: „Christus, du bist der helle Tag,/ dein Glanz durchbricht die dunkle Nacht./ Du  Gott des Lichtes kündest uns/ das Licht, das wahrhaft glücklich macht.“ In jedem Fall freue ich mich, dass ich heute Morgen aufgeweckt wurde und aufgewacht bin, und so diesen Tag beginnen darf.

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