Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Heute ist Buß- und Bettag. Seit einigen Jahren feiere ich am Buß- und Bettag Gottesdienst zusammen mit einer Selbsthilfegruppe des Blauen Kreuzes. Das Blaue Kreuz ist ein christlicher Verein, der Menschen Wege aus der Sucht aufzeigt. In den Gruppen lernen Menschen miteinander ein Leben ohne Alkohol neu zu gestalten. Das ist kein leichter Weg und es geht nur mit Ehrlichkeit. Da muss sich jemand eingestehen: „Ich brauche Hilfe von außen, denn ich bin alkoholkrank.“ Und es hilft, dass man den Weg aus der Sucht nicht alleine geht, sondern andere sieht, die diesen Weg ohne Alkohol schon viele Jahre gehen.
Die Gruppe zeigt: Wir sind da, wenn du uns brauchst. Das konnte ich vor einigen Jahren miterleben. Ich habe als Pfarrerin im Krankenhaus gearbeitet. Dort habe ich eine Patientin begleitet, die auch Mitglied einer Selbsthilfegruppe war. Uli war schwer krank und sie wusste, dass sie nicht mehr viel Zeit in ihrem Leben haben würde. An manchen Tagen habe ich bei ihr im Krankenzimmer Menschen aus der Selbsthilfegruppe getroffen. Sie haben Uli besucht und begleitet. Nach Ulis Tod haben sie auch bei ihrer Beerdigung mitgewirkt. Einige Zeit danach haben wir auch in der Gruppe eine Abschiedsfeier für Uli gestaltet. Mich hat das sehr berührt: Der Zusammenhalt dieser Gruppe, wie sie füreinander da waren.
„Ich bin für dich da!“ Das ist in diesem Jahr auch das Motto des Buß- und Bettags. Das Motto erinnert an die Geschichte von Mose. Die Bibel erzählt von ihm. Mose hat das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten weggeführt. Er hatte eine besondere Beziehung zu Gott und gleichzeitig fühlte er sich manchmal ganz allein. Als er wieder einmal nicht weiterwusste, da ist ihm Gott in einem brennenden Dornbusch begegnet. Der Dornbusch hat gebrannt und ist nicht verbrannt. Und dann hat Mose Gottes Stimme gehört: „Ich bin für dich da!“ Hat Gott ihm versprochen.
Wenn ich weiß, dass jemand für mich da ist, dann fällt es mir leichter zu sagen, dass es in meinem Leben Brüche gibt. Dann kann ich ehrlich sagen, was in diesem Jahr nicht gut gelaufen ist und auch, wofür ich Hilfe brauche. „Ich bin für dich da!“ Gottes Versprechen gilt nicht nur heute am Buß- und Bettag.
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