Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

17NOV2025
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Ich fädele die Regenbogenschnürsenkel in meine schwarzen Schuhe. Dann laufe ich los zur Kirche. Ich traue zwei befreundete Pfarrerinnen. Vor etwas mehr als einem Jahr haben sie mir ein Paar Strümpfe mit einem Regenbogenherz geschenkt und erzählt, dass sie heiraten wollen. Dann haben sie mich gefragt, ob ich sie trauen möchte. „Ja“, habe ich laut gerufen, „ich freue mich riesig!“ Gerade bin ich eher angespannt, weil es gleich losgeht und ich ganz schön aufgeregt bin. Dann sehe ich die beiden: Sie halten sich an den Händen und strahlen über das ganze Gesicht. Ihre Liebe fließt zu mir hin und sie füllt den ganzen Raum, als wir gemeinsam in die Kirche einziehen. Und sie kommt zurück von all den Gästen, Familie, Freundinnen und Freunden. Ich spüre diese große raumfüllende Liebe und denke: Ja, genau hier ist Gott mitten drin dabei. Gott ist Liebe. Nach der Trauung feiern wir bis tief in die Nacht, genießen die Hochzeitstorte und tanzen ausgelassen.

Am nächsten Morgen sind ganz viele zum Aufräumen gekommen. Da kommt ein Notruf aus der Nachbarkirche. Dort wird an diesem Sonntag Erntedank gefeiert und in dem Gottesdienst hat es einen medizinischen Notfall gegeben, eine Frau ist zusammengebrochen und jetzt ist der Notarzt vor Ort und es sieht nicht gut aus. Eine der Freundinnen ist da Pfarrerin. Sie macht sich auf den Weg dorthin und ich begleite sie als Unterstützung. Zusammen mit der Kollegin vor Ort führen wir die Gemeinde und den Chor in einen anderen Raum. Nach Erntedank ist hier gerade niemandem mehr zumute. Aber nach Gemeinschaft. Ich sitze mit den Frauen aus dem Frauenkreis zusammen. „In der letzten Woche haben wir noch zusammengebastelt und jetzt ist sie einfach umgekippt“, sagt die eine. „Aber sie war nicht allein, wir waren hier und sie ist in ihrer Kirche“, sagt eine andere. Sie kennen sich alle seit vielen Jahren. Später erfahren wir, dass die Frau im Krankenhaus gestorben ist.

Manchmal liegen die Feier des Lebens und der Tod ganz nah beieinander, wie an diesem Wochenende. Wie gut, wenn man beides miteinander teilen kann. Dann kann man besser spüren, dass man in allem, was geschieht, aufgehoben ist in der Liebe und damit in Gott.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43316
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