Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

20NOV2025
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Dass sich Leute selbst neu erfinden, das höre ich immer öfter. Sie erzählen:
„Und da hab ich mich dann selbst ganz neu erfunden.“Und ich frage mich jedes Mal: Wie machen die das bloß? Ich kann das nicht. Und ich glaube, das überlasse ich auch lieber meinem Ersterfinder. Der kennt sich besser damit aus.

Wie bei dem Apostel Paulus. Das ist der, auf den das Sprichwort zurückgeht: „Vom Saulus zum Paulus werden“. Aber nicht etwa, weil der sich neu erfinden wollte. Es ist über ihn gekommen, von ganz oben.

Eigentlich war Saulus ein fanatischer Christenverfolger. Er hasste die Christen, weil sie in seinen Augen Anhänger einer neuen, gefährlichen Sekte waren. Und deshalb hat er sich auch in grimmiger Entschlossenheit auf den Weg nach Damaskus gemacht. Mit dem einen Ziel: Die dortigen Christen, Frauen und Männern, alle in Ketten zu legen. Es war ein langer, anstrengender Weg. Doch als sich Saulus und seine Männer endlich der Stadt nähern, geschieht etwas Unglaubliches:

Plötzlich fällt ein gleißendes Licht vom Himmel und beleuchtet Saulus so hell, dass er geblendet zu Boden fällt. Dann hört er eine Stimme:“Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“  Es ist Gott selbst, der mit ihm spricht.

Danach ist nichts mehr, wie es war: Saulus ist blind. Er, der eben noch lautstark das Kommando geführt hat, muss nun selbst geführt werden. Drei Tage dauert dieser Zustand an. Er isst nichts; er trinkt nichts. Er betet. Und verwandelt sich.

Aus Saulus wird Paulus. - Der brillante Anführer der frühen Christenheit. Weil ihn sein Ersterfinder neu ausgerichtet hat. Er brauchte ihn gar nicht neu zu erfinden. Schon im ersten Entwurf war Paulus gerade unvollkommen und perfekt genug.

Und ich glaube: Ja, so sieht es auch bei mir aus: Es braucht keine Neuerfindung; es genügt, wie ich bin. Nur manchmal verrenne ich mich. Und da braucht es schon mal einen ordentlichen Schubs von ganz oben. 

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