SWR Kultur Lied zum Sonntag

16NOV2025
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Die letzten Blätter, die jetzt von den Bäumen fallen, erinnern daran, dass alles Leben vergänglich ist. Gibt es auch etwas, das bleibt und nicht vergeht. Und wie können wir damit in Verbindung kommen? Darum geht es im Lied von heute morgen.

 

Lied 1. Strophe

Gott, der du warst und bist und bleibst, wohne unter uns,

der du uns Glauben ins Herz hineinschreibst, wohne unter uns, unter uns.

Wir haben hier keine bleibende Stadt, vielmehr die kommende suchen wir.

Wir haben hier auch kein bleibendes Haus,

aber ein Zelt, aber ein Zelt, ein Zelt der Begegnung mit dir.

 

Gott steht über der Zeit, er ist ewig. Gott wohnt im Himmel – so hat man das zu umschreiben versucht. Und doch heißt es in dem Lied: „Wohne unter uns“, d.h. sei uns nah. Das kann eine drängende Bitte sein, wenn im Leben plötzlich alles wegbricht, was Sicherheit gegeben hat. Wenn man nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll.

 

Das Volk Israel hat solche Zeiten immer wieder erlebt und zugleich erfahren: Gott ist da. Gerade jetzt. Er lässt uns nicht im Stich. Das war so beim Auszug aus Ägypten und beim Weg durch die Wüste. Da war Gott wie in einem Zelt mit seinem Volk unterwegs.

 

 

Dieses Bild vom Zelt hat der evangelische Pfarrer und Liedermacher Eugen Eckert in seinem Lied aufgegriffen. „Wir haben hier kein bleibendes Haus, aber ein Zelt der Begegnung mit dir“. Ein Haus steht fest, es bietet Schutz und Sicherheit. Ein Zelt dagegen lässt sich hier und dort aufschlagen. Eine Behausung für unterwegs. Unterm Zeltdach ist man dem Wetter ausgesetzt  – aber man ist auch dem Himmel näher.

 

Eckert hat das Lied 1993 zur Einweihung der neuen Seminarkirche in Frankfurt geschrieben. Und ausgerechnet dort singt er davon, dass Gott nicht an Mauern gebunden, sondern mitten im Leben erfahrbar ist - wenn ich mich auf Begegnung einlasse, mich nicht innerlich abschotte sondern berührbar bleibe.

 

Das sind oft nur Momente, keine sicheren Gewissheiten.  Und manchmal ist das schwer auszuhalten. Wir richten uns gern in vertrauten Räumen, in Routinen, in dem, was wir kennen ein. Und zugleich ahnen wir, dass Leben mehr ist. Bewegter. Verletzlicher. Vergänglicher.

Das kann schmerzen. Und es kann trösten. Denn wenn unser Leben vorläufig ist, heißt das auch: Wir dürfen suchen, hoffen, uns aufmachen zu dem Leben, das Gott für uns denkt – ein Leben in Frieden, in Gerechtigkeit, ohne Tränen.

(Musikunterlegung) „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die kommende suchen wir.“ Ein Satz aus der Bibel. Er erinnert daran, dass alles hier vergeht – und weitet zugleich den Blick: Wir tragen eine Ahnung von Gottes Ewigkeit in uns. Und am Ende  finden wir bei ihm nach Hause.

Lied 3. Strophe

Gott, Lebensquell und letzter Halt, wohne unter uns,

dass Hoffnung blühe, dann wird uns nicht kalt, wohne unter uns, unter uns.

Wir haben hier keine bleibende Stadt, vielmehr die kommende suchen wir.

Wir haben hier auch kein bleibendes Haus,

aber ein Zelt, aber ein Zelt, ein Zelt der Begegnung mit dir.

 

Komponist Eugen Eckert, Musik: Herbert Heine

Aufnahme (priv.): Adrian Brenneisen und Jana Maier, Musikhochschule Trossingen 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43290
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