Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Wir müssen mal über Gott reden, sagt ein Freund, und erzählt, dass in seinen jungen Jahren vor allem der strafende Gott gepredigt wurde. Heute aber, so meint er, höre er allenthalben immer nur vom nahen Gott, vom zugewandten, nichts fordernden Gott.
Der ist immer da und wird möglichst so verkündet, dass es keinem wehtut.
Ja, ich muss meinem Freund recht geben. Das Sperrige im Leben, in der Bibel, im Reden von Gott - das glättet unsere Zunft schon mal ganz gerne und passt es ein in eine gefällige Form. Und so geraten wir in Gefahr, dass freundliche Bilder zum Gottersatz werden.
Ich denke, es ist ja erst mal gut, dass es verschiedene Gottesbilder gibt, und diese Vielfalt kann den Glaubenden davor bewahren, sich auf einen einzigen Entwurf dogmatisch festzulegen.
Fakt ist: Es sind Menschen, die von Gott reden und jedes Gottesbild ist darum menschlich, von Menschen gemacht. Zutreffend von Gott kann nur Gott selbst reden. Wo wir sagen, Gott ist so und so und handelt so und so, müssen wir uns bewusst machen, dass wir uns seiner Wirklichkeit immer nur annähern können.
In biblischen Texten und in Kirchenliedern wird Gott zum Beispiel dargestellt als König (Ps 10,16; 1. Tim.1,17), als Vater (Jes 63,16, Mt. 6,9), als Hirte (Ps 23), als Hebamme (Ps 22,10). Er hat Augen, Ohren (Ps 94) und Hände (Jes. 49,16) . Er erscheint manchmal in einer Wolken- oder Feuersäule (2. Mose 13,21); er ist eifersüchtig (Ex.20,5), es reut ihn schon mal was (Gen 6,6), und er verbirgt sich auch immer wieder.
Berühmte Religionskritiker haben uns gezeigt, dass wir dazu neigen, in den Entwürfen, die wir uns von Gott machen, auch eigene Projektionen und Wünsche einfließen zu lassen. Gott wird dann schnell mal zum Superman, der alles kann, was wir nicht können.
Wozu ich anregen möchte: behutsam sein im Reden über Gott. Gott ist anders und größer als unser Denken und Reden. Nicht so eng wie der Rahmen, in den ihn weichgespülte Bilder pressen.-
Wo man sich das immer wieder bewusst macht, kann man dann auch
mit Versen von Paul Roth sagen:
"Lasst mir meinen Gott,
ihr Schlauköpfe und Studierten.
Zerredet ihn nicht,
macht ihn mir nicht
zum Nebel, zur Formel …" 1)
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1) Paul Roth: „Wir alle brauchen Gott“ (Würzburg 1975, S. 94-96)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43284