Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

26NOV2025
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„Kannst Du heute auch mal lachen?“. Das hat mich eine von den jüngeren Messdienerinnen vor dem diesjährigen Totengedenken gefragt.

Und dann habe ich den Gottesdienstbesuchern die Geschichte vom „Brandner Kaspar“ erzählt, die Franz von Kobell vor etwa 150 Jahren geschrieben hat. Für den Brandner Kaspar ist die Lebensuhr abgelaufen und der Tod kommt als leibhaftige Person bei ihm vorbei, um ihn mitzunehmen. Kaspar macht den Tod mit Kirschgeist betrunken und luchst ihm beim Kartenspiel noch ein paar Lebensjahre ab. Der Tod geht ohne Kaspar wieder in den Himmel zurück. Aber irgendwann fliegt der Schwindel im Himmel auf und der Tod kommt wieder auf die Erde. Es gelingt ihm, Kaspar zu überreden, mit ihm zu gehen und wenigstens einmal einen Blick in den Himmel zu werfen. Was er dort sieht, ist alles wunderschön. Sogar seine alte Hütte. Die sieht im Himmel aus wie ein Palast. Und im bayerischen Himmel füllen sich sogar die Bierkrüge ganz von selbst! Als Kaspar wieder zurückkommt und gefragt wird, wie es da oben gewesen ist, sagt er nur: „Wie daheim, nur viel, viel schöner“.

Für mich hat Kaspar im Theaterstück damit sagen wollen: Himmel ist irgendwie wie daheim. Wo ich mich wohlfühle. Und dieses Zuhause, sagt Kaspar, ist „viel, viel schöner“ als hier auf der Erde. Schöner, als ich es mit meinen Worten ausdrücken kann. Es ist ganz neu und ganz anders. Und das glaube ich auch!

Als ich die Geschichte im Gottesdienst erzählt habe, mussten einige herzlich lachen. Für mich war dieses Lachen schon ein kleiner Vorgeschmack davon, wie es im Himmel sein kann. Und wenn es dort genauso heiter zugehen sollte, freue ich mich schon ein bisschen auf dieses neue, und „viel, viel schönere“ Zuhause.

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