Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

24NOV2025
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Beim ersten Satz der alten Dame am Telefon musste ich erstmal schmunzeln: „Ich bin 88 Jahre alt, aber ich habe mir das Denken noch nicht abgewöhnt“. Die Lebensweisheit der Frau habe ich bei diesem Satz direkt spüren können. „Warum beten wir eigentlich für die Toten?“, hat sie mich gefragt.

Die Frau hat immer für ihren Mann gebetet, der vor einigen Jahren verstorben war. Aber sie wollte von mir wissen, was ihr Gebet bewirkt oder was passiert, wenn sie es einmal vergisst. Im Gespräch sind wir schnell zum eigentlichen Knackpunkt gekommen.

Wenn ich für die Verstorbenen bete macht zunächst etwas mit mir selbst: Ich werde mir bewusst, dass meine Lieben mit mir verbunden sind. Vielleicht spüre ich sogar die Nähe eines geliebten Menschen, obwohl er nicht mehr körperlich da ist. Und ich werde bei aller Trauer vielleicht auch dankbar für all das, was ich mit ihm erleben durfte.

Beziehungen unter uns Menschen sind stark. Was uns verbindet, das durchbricht Raum und Zeit. Im Gebet fühle ich mich verbunden mit allen, an die ich dabei denke. Mit den Lebenden und den Verstorbenen. Und ich bin überzeugt, dass auch sie das auf irgendeine Weise spüren.

Ich weiß, dass ich mit meinem Gebet Gottes Willen nicht ändern kann. Das muss ich auch gar nicht. Denn Gott ist reine Liebe, sagt mir Jesus ganz klar. Das Gebet hilft mir, das zu begreifen und Gott einfach zu vertrauen. Darauf sind wir dann am Ende unseres Gesprächs auch gekommen und die alte Dame hat sich gefreut, dass es so ist.

Gott ist Liebe und ich darf ihm vertrauen. Gott sei Dank.

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