SWR1 3vor8
Heute ist der erste November: Allerheiligen. Eigentlich ist das ein katholischer Feiertag.
An der Grundschule, an der ich unterrichte, haben wir uns ökumenisch auf die Suche gemacht. Evangelische und katholische Kinder zusammen haben überlegt: Wer sind denn diese Heiligen, an die heute gedacht wird? Und wo begegnen uns eigentlich Heilige?
„Wer von Euch kennt denn einen Heiligen?“ frage ich. Und sofort schnellt der Finger eines Jungen in die Luft. Er ist katholisch, und der Heilige Stephanus hat es ihm besonders angetan. „Dem ist unsere Kirche geweiht“, sagt er mit leuchtenden Augen.
Der Junge weiß noch mehr: Zum Beispiel, dass Stephanus in der allerersten christlichen Gemeinde in Jerusalem mitgearbeitet hat. Und dass er für seinen Glauben sogar gestorben ist. Die Bibel erzählt davon: Wie er wegen seines Bekenntnisses zu Christus angefeindet worden ist. Und wie ihn eine aufgebrachte Menschenmenge schließlich gesteinigt hat. „Deshalb“ erzählt mein Schüler weiter „wird Stephanus oft mit Steinen in der Hand dargestellt. Und er ist der Schutzheilige der Maurer!“
„Ich bin aber kein Maurer.“ sagt darauf ein anderer Junge „Und sterben will ich auch nicht.“
Einen Moment lang ist es still im Klassenzimmer. Dann erzähle ich von meinem Lieblingsheiligen, dem heiligen Judas Thaddäus. Der ist nämlich der Heilige für hoffnungslose Fälle. In Mexico z.B. haben ihn kriminelle Banden zu ihrem Schutzpatron auserkoren – vielleicht, weil viele gezwungen werden, mitzumachen. Und weil es so hoffnungslos erscheint, wieder auszusteigen und ein friedliches Leben zu führen.
Der Heilige Judas zeigt mir: Vor Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle. Da ist jede und jeder wert, gerettet zu werden und sei es vor sich selbst.
Auch Judas Thaddäus ist der Legende nach für seinen Glauben gestorben. Aber genau deshalb bitten ihn bis heute viele Menschen um Hilfe – grade dann, wenn es richtig schwierig wird im Leben. Oder wenn jemand merkt, dass er absolut kein Heiliger ist, sondern einfach nur ein sterblicher Mensch.
Ich weiß nicht, ob meine Schülerinnen und Schüler mit den Heiligen jetzt mehr anfangen können. Mich jedenfalls haben sie weiter beschäftigt. Und auch die Frage, was mich mit ihnen eigentlich verbindet. Und ich meine: Es ist unser gemeinsamer Glaube an Jesus Christus. Vielleicht ist meiner nicht so stark wie der von Stephanus oder dem Heiligen Judas Thaddäus. Aber er ist da. Mein Glaube, dass Christus an meiner Seite ist. Dass er mich rettet, mich heiligt, auch wenn ich mich gar nicht so fühle und nichts mehr tun kann. Christus schenkt mir das Vertrauen: Vor Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43242