SWR Kultur Lied zum Sonntag
Das Meer ist mein Sehnsuchtsort: Das Wasser, das gemütlich an den Sand plätschert, die kreisende Kraft von Flut und Ebbe, der blaue Blick bis an den Horizont, die Wolken von Wattebausch bis schwarz und bedrohlich, ganz egal, ob Wind oder Wetter oder Sturm.
Musik
Hauptsache: Wellen, die kommen und gehen und kommen und gehen, rauf und wieder runter. Eine klein-feine und kunstvoll komponierte Tonfolge. Wellen, die kommen und gehen, rauf und wieder runter. Jede Strophe fängt an mit: „Ich sage Ja“.
Okko Herlyn, Theologe und Kabarettist, hat mit diesem Lied ein kleines Kunstwerk geschaffen, eine Einheit aus Text und Musik. Klar und schnörkellos fasst er zusammen: die Dreiheit im Einen. Lebensgrund und Schöpfer, Freund und Bruder, Gottes guter Geist. Und damit das alles nicht zu statisch wird, rollt eine weitere Welle hinterher und wiederholt jeweils den letzten Teil der Strophe.
Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf.
Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf,
zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt,
und der auch mich in seinen Händen hält.
Ich sage Ja, zu dem, der uns gesandt
Und aus dem Tod zum Leben auferstand
Und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist
Für uns zum Freund und Bruder worden ist.
Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist,
zum Weg der Liebe, den er uns verheißt,
zu wagen Frieden und Gerechtigkeit
in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.
Kürzer als in diesem Lied kann man Kirche nicht zusammenfassen: Wasser, Kelch und Brot, Wegzehrung, Zeichen, Zuspruch in der Not. Kirche ist auch so ein Sehnsuchtsort für mich: In den alten Versprechen baden, in den Segen eintauchen. Und dann kommt ein Lied und nimmt mich mit auf die Trostwelle. Schenkt mir Worte und Sätze, die ich selbst gerade nicht habe. Okko Herlyns Lied legt mir ein Ja in den Mund. Mir ist eher nach Nein zumute, nach Keine-Ahnung und Weiß-ich-doch-nicht. Aber ich singe trotzdem: Ich sage Ja. Und warum? So kurz und knapp kann das nur Okko Herlyn beantworten: „Weil gewiss ein andres Ja schon längst gesprochen ist.“
Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot,
Wegzehrung, Zeichen, Zuspruch in der Not.
Ich sage Ja und Amen, weil gewiss
Ein andres Ja schon längst gesprochen ist.
------------------------
Musikangaben:
Text und Melodie: Okko Herlyn
Übersetzung für das Beiheft der Badischen Landeskirche von Danielle Guerrier Koegler (2013)
Aufnahme: Johannes Blomenkamp (Klavier) und Mitglieder der Durlacher Kantorei (Gesang)
Copyright© tvd-Verlag Düsseldorf, 2011
