SWR4 Sonntagsgedanken
Als Kind hab ich immer mal versucht, mit Gott einen Deal zu machen. Ungefähr so: „Wenn Du machst, dass ich in der Klassenarbeit eine zwei schreibe, dann geh ich dafür viermal hintereinander zum Kindergottesdienst!“ Eine Frau hat mir erzählt, dass sie noch heute so etwas macht: „Wenn ich nur auf hellen Pflastersteinen laufe, dann bleibt mein Haustier gesund.“ Auch eine Art „Deal“ – nicht direkt mit Gott, sondern eher mit dem Schicksal. Vielleicht kennen Sie solche Gedanken ja auch: „Wenn ich das und das mache, dann habe ich vielleicht Glück – oder dann steht Gott mir bei…
Im Grunde ist das ja Aberglaube: Mit Gott oder auch mit irgendwelchen kosmischen Mächten einen Deal machen, der das Glück herbeiholen soll. Andererseits: In jedem Gebet steckt ja irgendwie die Hoffnung, Gott zu überreden, dass er einen Wunsch erfüllt. Die Herausforderung ist: Erzwingen lässt sich jedenfalls vom Himmel runter nichts!
Ich kann nur für mich sprechen: Ich erlebe, dass Gott mich durch mein Leben führt. Obwohl ich ihn im Großen und Ganzen als vergleichsweise still erlebe.
Aber manchmal lässt sich Gott eben doch auf einen Deal ein. Ein richtig krasses Beispiel zu diesem Phänomen erzähle ich Ihnen jetzt: Es geht um das Volk Israel, das in der Wüste umherwandert auf der Suche nach einer neuen Heimat. Moses hatte das Volk Israel aus Ägypten aus der Sklaverei befreit. Und jetzt, nach vielen Jahren, sind alle in der Nähe der Stadt Jericho angekommen. Die politische Lage hat ihnen klargemacht: Jericho muss erobert werden. Sonst wird es unmöglich, weiterzuwandern. Mose Nachfolger Josua schickt zwei Kundschafter los. Man muss ja mal schauen, wie die Stadt verteidigt ist.
Die beiden Kundschafter ziehen also los.
Aber das bleibt ihren Feinden nicht verborgen. Soldaten von Jericho kommen abends in das Haus, in dem die beiden Unterschlupf gefunden haben. Aber sie finden sie nicht. Rahab, die Besitzerin des Hauses, hat die beiden Fremden nämlich versteckt. Und später lässt Rahab die beiden heimlich aus der Stadt fliehen – und lässt sie in einem Weidenkorb an der Stadtmauer hinab. Ihre Begründung: „Euer Gott wird euch siegen lassen, und ihr werdet Jericho erobern. Und ich helfe euch, wenn mich euer Gott dafür am Leben lässt. “
Und so kommt es: Jericho wird erobert und Rahab und ihre Familie bleiben am Leben!
Rahabs Deal mit Gott ist gemacht! Sie rettet die Kundschafter, weil sie von der Kraft des Gottes Israels überzeugt ist. Sie weiß, dass es für sie am besten ist, auf den Gott der Fremden zu bauen. Nicht auf sich selbst, nicht auf die Stadtmauern, nicht auf eine Flucht. Und dafür macht sie einen Deal: „An diesen einen Gott der Fremden glaub ich jetzt“, hat sie gesagt. Und Gott ist darauf eingegangen. Und das ist doch nun wirklich ungewöhnlich!
Dabei ist es ja schon ungewöhnlich genug, überhaupt auf einen Deal mit Gott zu spekulieren. Ich erlebe Gott im Großen und Ganzen eher still. Mein persönlicher Glaube ist darauf angewiesen, immer wieder neu zu beten, immer wieder neu zu bitten und immer wieder neu zu merken: Doch, ja!, Gott ist doch da und begleitet mich. Davon bin ich überzeugt.
Rahab aus der Bibel vertraut auch darauf, dass Gott ihr hilft. Dass dieser Gott wirklich der Gott ist, auf den es im Leben ankommt. Sie konnte sich ja eigentlich nicht sicher sein. Trotzdem war sie – überzeugt. Und bei diesem ersten Deal, den sie mit diesem Gott macht, bekommt sie die Bestätigung. Und vielleicht muss das dann im Leben für den Alltag genügen: Ein klarer Deal und danach immer wieder in der Erinnerung an diesen Deal mit Gott neustarten.
Ich denke an einen Familienvater, den ich kennengelernt habe. Ich werde ihn dieses Jahr taufen. Er ist in einer Familie großgeworden, in der man nicht einmal an Weihnachten in den Gottesdienst gegangen ist. Persönlich hat er aber immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ihm Dinge passiert sind, die mehr als Zufall sind. Er hat nach einem Gottesdienst gebetet: Gib mir eine gute Zukunft. Zwei Tage später hat er seine heutige Frau kennengelernt. Und heute sagt er: „Das konnte kein Zufall sein.“ Und dann ist er drangeblieben. Er sagt: Dann soll dieser Gott auch offiziell mein Gott werden.
Auch er macht wie Rahab mit Gott einen Deal. Auch er hat gemerkt: Dieser Gott ist der Gott, auf den es im Leben ankommt. Und das ist, das geb‘ ich zu, auch im 21. Jahrhundert noch ungewöhnlich. Dass ein Mensch sich für diesen Gott entscheidet. Weil man sich ja nicht sicher sein kann. Und trotzdem ist er überzeugt. Und noch viel außergewöhnlich ungewöhnlicher ist es, dass Gott auch hier auf diesen ersten Deal eingegangen ist.
Offensichtlich macht das der Gott der Bibel immer wieder. Zuhören, antworten, einen Deal machen. Und das finde ich einfach richtig gut.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche.
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