SWR3 Gedanken

25OKT2025
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Wie oft passiert das schon, dass einem einfach so Zeit geschenkt wird? Mir läuft sie meistens davon. Deswegen mag ich die Umstellung auf die Winterzeit. Wenn mir heute Nacht eine Stunde geschenkt wird. Die kann ich bewusst nutzen. Für eine Joggingrunde oder ein gutes Gespräch, oder für einen Moment für mich.

Zeit ist eben mehr als nur das Ticken einer Uhr. Schon die alten Griechen hatten deshalb zwei verschiedene Götter für Zeit. Klingen beide bisschen seltsam. Der erste ist „Chronos“  - der Zähler. Und der zweite ist Kairos – der richtige Moment.

Zeit als „Chronos“ bestimmt meistens meinen Alltag, weil die Zeit einfach so runterläuft. Ich hab vierundzwanzig Stunden, um alles unter einen Hut zu bringen. Arbeiten gehen, Haushalt schmeißen, Kinder betreuen, Essen, Trinken, Schlafen. Und schon ist der Tag vorbei.

Beim alten Gott „Kairos“ geht´s um was anderes. Da geht es um die gute Gelegenheit, und zu Kairos passt die Frage: Wie fühlt sich deine Zeit an? Was ist jetzt, und nur jetzt?

„Kairos“ ist immer dann, wenn die Zeit still steht. Immer dann, wenn ich richtig vertieft bin und es nicht nur drum geht was zu erledigen. Kurz die Zeit vergessen: bei einer herzlichen Umarmung, beim Küssen, wenn ich eine zündende Idee habe. Oder wenn ich eine Gelegenheit beim Schopf packe und einfach mache.

Für morgen bin ich gespannt:  Die Stunde Zeit ist geschenkt. der gute alte „Chronos“ sortiert sie einfach ein, eine dreizehnte Stunde und fertig. Aber wenn’s nach Kairos geht bietet auch diese Stunde Gelegenheit für einen besonderen Moment.

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