SWR4 Abendgedanken
„Wem gehörst du?“, oder im badischen Dialekt gesprochen: „Wem g’härsch du?“ Das ist ein Satz, den Kinder im Schwarzwald oft zu hören bekommen. Meistens fragen ältere Leute noch so. Und dann sagt man zum Beispiel: „Ich g‘här em Wiesler Hans.“ Damit hat man dann erklärt, zu welcher Familie man zählt. Ich finde die Frage ein bisschen befremdlich. Denn es kann doch nicht gemeint sein, dass man jemandem gehört, sondern wo man dazugehört. Deswegen fände ich es schöner, wenn man fragen würde „Wer bist du?“ Denn im Leben geht es ja nicht darum, wem ich gehöre, sondern wer ich bin.
„Wer bin ich?“ die Frage begleitet einen das ganze Leben. Ich kann sie ganz unterschiedlich beantworten: ich kann davon erzählen, wo ich herkomme, von meiner Familie oder der Heimat, was ich beruflich mache oder womit ich meine Freizeit verbringe.
Immer geht es drum, was bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Welche Menschen mir wichtig waren und sind. Und was ich erlebt habe, das mich bis heute ausmacht.
Mir fällt eine Menge ein. Schöne Dinge, wie meine Zeit bei den Pfadfindern oder die Geburt meiner Kinder. Und ich bin heute sicher der, der ich bin, weil ich auch herausfordernde Zeiten durchgemacht habe oder Schicksalsschläge verarbeiten musste. Gleichzeitig weiß ich, dass ich mich auch weiterhin entwickle.
Die Frage „Wer bist du?“ spielt auch bei der Taufe eine wichtige Rolle. Der Pfarrer sagt dem Täufling, dass Gott ihn in Liebe erschaffen hat und dass es gut ist, dass es ihn gibt. Ich glaube, dass Gott das zu jedem Menschen sagt, egal ob getauft oder nicht. Aber in der Taufe wird das ausgesprochen. Und dass man das persönlich gesagt bekommt, das kann schon prägen. Da verändert sich tief im Inneren der Person etwas. Auch wenn ich damals als Baby getauft wurde und mich natürlich nicht mehr daran erinnern kann: Ich erlebe bei jeder Taufe meiner Nichten und Neffen aufs Neue, wie schön und kraftvoll diese Botschaft ist.
Dass Gott das bei der Taufe sagt, das gilt für immer. Ich kann mich innerlich von der Kirche entfernen und aus der Kirche austreten. Aber für Gott bleibt diese Zusage bestehen. Das kann mir niemand wegnehmen.
Gott und die Gemeinschaft unter Christen ist mir wichtig. Und das sage ich, wenn mich jemand fragt: „Wem gehörst du?“
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