SWR4 Abendgedanken

20OKT2025
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Mit über 30 Neuntklässlern zum Schulausflug auf den Friedhof? Das hab ich gemacht. Mit dem lässigen Finn und der stillen Mathilda. Und den anderen Jugendlichen aus meiner Religionsklasse.

Davor haben wir darüber gesprochen, wie unterschiedlich Menschen mit Tod und Trauer umgehen und welche Möglichkeiten es gibt, jemanden zu beerdigen. Soweit die Theorie – jetzt schauen wir wie das in echt ist. Und so schwärmen die Jugendlichen aus und schauen sich den Friedhof und die Gräber genauer an.

Nach einer halben Stunde treffen wir uns wieder. Mathilda hat die Ruhe und die Natur gefallen. Und sie hat es genossen, sich zwischendurch in die Sonne zu setzen und die Eichhörnchen zu beobachten. Finn ist überrascht, dass so viele Menschen unterwegs sind. Sie gehen kurz bei einem Grab vorbei oder haben Gartenwerkzeug mitgebracht, um die Bepflanzung wieder auf Vordermann zu bringen. Und man sieht einige, die miteinander reden. Friedhöfe können ein wichtiger Treffpunkt sein. Wenn man ein Grab regelmäßig besucht, lernt man manchmal auch die Angehörigen kennen, die zu den umliegenden Gräbern gehören. Es tut gut, wenn man sich über die eigene Trauer unterhalten kann. Solche Begegnungen können trösten und man merkt, dass man mit dem Gefühl des Verlusts nicht allein ist.

Was vielen Schülerinnen und Schülern aufgefallen ist, sind die Symbole auf den Grabsteinen. Es gibt Segelschiffe, Musikinstrumente, Sterne oder Tiere, die den Verstorbenen wichtig waren. So erfahre ich gleich auf den ersten Blick etwas mehr von den Toten als nur den Namen: Da war jemand leidenschaftliche Seglerin oder ich denke: Der Mann hat seinen Hund sicher sehr geliebt.

Dann hat meine Schülerin Helena noch erzählt, dass sie vor ein paar Wochen in Frankreich auf dem Rhein bei der Flussbestattung ihres Opas war. Das hatte er sich so gewünscht. Gleich berichten andere, dass sie schon bei Beerdigungen im Friedwald dabei waren. In den letzten Jahren hat sich die Bestattungskultur verändert. Das ist gut so, wenn die Wünsche der Menschen auch nach dem Tod noch berücksichtigt werden. Und es tut gut, wenn der Ort der Trauer auch zu den Hinterbliebenen passt. 

Gleichzeitig stellen auch heute noch vielen Menschen ganz bewusst ein Kreuz auf dem Grab ihrer Lieben auf. Für mich persönlich sind diese Kreuze Hoffnungszeichen. Sie erinnern daran, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Und ich glaube daran, dass ich einmal wieder mit meinen Verstorbenen vereint sein werde.

Überall, wo Menschen an ihre lieben Verstorbenen denken sind besondere und reiche Orte: Wo man die Natur genießen und andere Menschen treffen kann, und wo trotz Tod und Trauer auch Leben und Hoffnung wohnen.

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