Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Mal wieder stehe ich im Supermarkt an der falschen Kasse. „Warum geht das denn jetzt hier so langsam?“, denke ich und trommle ungeduldig mit den Fingerspitzen auf meinem Einkaufskorb herum.
Beim Blick auf die Frau an der Kasse wird mir alles klar: Sie ist noch sehr jung und scheint ganz neu zu sein. Eine Auszubildende vielleicht. Sie kann es noch nicht. Muss über jeden Handgriff nachdenken, drückt die falschen Tasten, braucht ewig, um das Bargeld richtig einzusortieren.
Eigentlich wollte ich hier nur ganz schnell rein und wieder raus. „Aber jeder muss sein Handwerk erst lernen“, denke ich und nehme mir vor, meine Ungeduld nicht zu sehr zu zeigen.
Jetzt hat aber die Kundin vor mir auch noch Rabattmärkchen dabei. Die junge Frau an der Kasse versucht verzweifelt, diese einzubuchen. Es klappt nicht. Sie wird hektisch, und schließlich geht gar nichts mehr. Die Kasse geht nicht mehr auf, egal, welche Taste sie drückt. Sie wird ganz rot im Gesicht und schämt sich so sehr, dass sie gar nicht mehr hochschaut. Ich spüre, wie schrecklich sie sich fühlt.
Die Schlange hinter mir wird länger und länger. Die Auszubildende wendet sich hilflos an die Kassiererin, die drei Kassen weiter sitzt. Die ruft eine Kollegin aus, die helfen soll.
Unglücklich schaut die Auszubildende in die Richtung der wartenden Menschen und sagt leise: „Es tut mir leid. Meine Kollegin kommt gleich.“ Es müssen also alle warten.
Ich rechne fest damit, dass irgendjemand in der langen Schlange gleich seinen Unmut kundtut. Ich warte darauf, dass das Gemecker losgeht. Aber die Dame vor mir sagt ganz ruhig: „Kein Problem. So eilig haben wir's doch nicht“. Ein Kunde hinter mir murmelt: „Ach, das macht doch nix.“ Und ich selber höre mich sagen: „Alles gut, es gibt Schlimmeres.“
Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt endlich eine Kollegin der Auszubildenden zu Hilfe. Sie erklärt ihr ruhig, was zu tun ist. Als es endlich weitergehen kann, legt sie der Neuen noch kurz die Hand auf die Schulter und sagt: „Lass dich nicht hetzen, das wird schon.“
Und ich? Wundere mich kurz, wo meine Ungeduld geblieben ist. Und muss lächeln, als ich den Laden verlasse.
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