SWR Kultur Wort zum Tag

17OKT2025
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Der letzte Morgen im Hotel verlief nicht ohne Überraschung. Die Wärmebehälter am Frühstücksbuffet waren im Gegensatz zum Vortag leer! Das Buffet selber: deutlich abgespeckt. Fast schien es mir, dass sich auch die gewohnte Freundlichkeit des Servicepersonals etwas verbraucht hatte.

Kein Wunder! Die Badesaison war zu Ende! Und es war klar: Das Hotel geht in den Ruhemodus über und spiegelt so den Rhythmus des Lebens wider, das vom Wechsel und vom Übergang der Jahreszeiten geprägt ist.

Zu leben ohne diesen jahreszeitlich bestimmten Rhythmus, das geht nicht. Mein Leben ist immer auch saisonal geprägt. Gestaltet sich zwischen dem Wechsel von Temperaturen, von den Früchten und vom Gemüse auf meinem Teller. Seit fast einem Monat leben wir im astronomischen Herbst. Zwischen bunten Blättern und wärmender Mittagssonne - beide immer wieder bedrängt von Niesel, und am Morgen zusehends eingehüllt in Nebelschwaden. Ich gebe zu: Mir gefällt diese Abfolge. Die beiden Übergangsjahreszeiten sind für mich unverzichtbar. Deshalb gehören dem Frühling und dem Herbst meine besonderen Sympathien. Schon die Jahrtausende alte Zusage Gottes an Noah beschreibt diese Abfolge der Jahreszeiten: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören: Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Durch menschliche Eingriffe kommen heute allerdings sogar die Jahreszeiten aus ihrem Rhythmus. Die Traubenernte ist weitgehend abgeschlossen, deutlich früher als mir das aus meiner Kindheit in Erinnerung ist. Aber ganz aus der Welt hat der Mensch den Wechsel der Jahreszeiten noch nicht schaffen können. Gottseidank! Denn die Abfolge der Jahreszeiten ist ein Segen. Im Herbst wird der Garten winterfertig gemacht. Aber schon in wenigen Monaten geht der Kreislauf der Natur wieder von vorne los. 

In diesem Wechsel keimt in mir ein Gespür für die Schöpfung auf. Und für den, der mir als Schöpfer so wichtig ist. Deshalb ist es am Ende gar nicht so schlimm, dass mich der Herbstmodus eines Hotels nicht einfach nur ärgert, sondern mich an den jahreszeitlichen Wechsel der Schöpfung erinnert. Aber der Blick aus dem Fenster oder ein kleiner Herbstspaziergang reichen dafür auch schon völlig aus.

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