Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20OKT2025
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Es gibt ja so Zeiten, da bricht plötzlich alles gleichzeitig über einen herein. Mir ist es dieses Jahr nach den Sommerferien so ergangen. Ich war richtig gut erholt und voller Energie für die neue Arbeitsphase. Montags lief soweit auch noch alles nach Plan, aber am Dienstag hat eine überraschende Ankündigung aus der Chefetage dann alle Abläufe gründlich durcheinandergebracht.

Mein Telefon stand nicht mehr still. Die einen haben mich angerufen, um zu beschwichtigen und zu vermitteln und auf alle Fälle ruhig zu bleiben. Andere waren der Meinung, es sei jetzt an der Zeit, um zu protestieren, sich nichts bieten zu lassen, aufzubegehren. Jedenfalls war ich mit einem Mal im Krisenmodus und alles, was ich so mustergültig und schön nacheinander hatte erledigen wollen, blieb erst mal liegen. Und wie das dann so geht: zu den beruflichen gesellten sich auch noch private Hilferufe. Ich wusste abends nicht mehr, wo mir der Kopf steht.  

Eine Freundin, die einen viel stressigeren Job hat als ich, hat mir in dieser Situation einen Schlachtruf beigebracht, der ihr immer hilft, Ordnung ins Chaos zu bringen. „Pick your battles“, sagt sie sich oft mehrmals am Tag, wenn es gerade mal wieder drunter und drüber geht. Auf Deutsch etwa: Entscheide selbst, an welchen Fronten du den Kampf aufnimmst und an welchen nicht. Lass Dir keine Schlachten aufzwingen. Oder etwas weniger kriegerisch formuliert: Überlege gut, welche Krise es wert ist, dass du ihr jetzt Zeit und Energie widmest. Was hat Priorität? Wer kann warten? Und wofür bin ich überhaupt nicht zuständig?  Und auch, wenn alle gleichzeitig was von Dir wollen, sortiere erst mal für Dich, was jetzt wirklich wichtig ist.  „Pick your battles“ und lass andere getrost ihr Pulver verschießen, bevor Du Dich wieder um sie kümmerst.

Gar nicht so einfach, wenn einem alles über den Kopf zu wachsen droht. Aber sehr heilsam. Es gibt übrigens auch eine geistliche Variante des englischen Ratschlags. Die ist etwas ausführlicher, wendet sich um Beistand an Gott und geht so: „Gib mir Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Und, am wichtigsten: gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43128
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