Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

22OKT2025
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Jeden Samstag mache ich eine Zeitreise in die Vergangenheit. Ich reise 40 Jahre zurück, in meine Kindheit. Genauer gesagt in meine Schulzeit und noch genauer in den Sportunterricht.

Jeden Samstag fahre ich meine Tochter zu ihren Handballspielen. Ich betrete also jeden Samstag eine Sporthalle. Und in diesem Moment ist alles wieder da: der Geruch nach Schweiß, Reinigungsmitteln und Linoleum. Auch das unangenehme Gefühl ist wieder da, das mich seit meiner Kindheit begleitet.

Ganz ehrlich: Ich habe den Sportunterricht gehasst. Ich war noch nie besonders sportlich und hatte vielleicht auch einfach die falschen Lehrer. Und so war es jedes Mal ein Angang:

Die Angst, vor der ganzen Klasse beim Bockspringen zu versagen. Die Demütigung, als Letzter in die Mannschaft gewählt zu werden. Wie peinlich, den zugespielten Ball nicht gescheit annehmen zu können.

All das ist wieder da am Samstag in der Sporthalle. Aber auch meine Tochter ist da. Zum Glück! Denn bei ihr ist alles anders. Sie liebt ihren Sport, trainiert dreimal die Woche und brennt förmlich, wenn es am Samstag zu den Spielen geht.

Wie der Vater, so zum Glück nicht die Tochter, denke ich und bin froh. Es ist toll zu erleben, dass Kinder nicht zwangsläufig die Geschichten ihrer Eltern wiederholen müssen, sondern neue, eigene Erfahrungen machen können.

Und ich merke: Dank all dem, was ich mit meiner Tochter erleben darf, verändert sich sogar mein Verhältnis zu Sporthallen.

Es ist schon längst nicht mehr so schlimm mit meinen Zeitreisen wie am Anfang. Meine eigene Geschichte bekommt hier gerade - Dank meiner Tochter - ein neues, schöneres Kapitel geschenkt.

„Gott, Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ - das ist der Taufspruch meiner Tochter. Und ja, denke ich, und nicht nur ihre Füße - meine Füße auch!

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