SWR1 3vor8

12OKT2025
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Es ist immer der Mensch, der das Problem ist. Wer einen Hund hat wie ich, weiß das ganz genau. Wenn mein Hund Essen vom Tisch stiehlt oder andere Hunde anpöbelt, dann muss ich Ruhe ausstrahlen und so mit ihm trainieren, dass er sich zu benehmen weiß. Das Problem ist immer am anderen Ende der Leine. Bei dem, der führt, der die Kommandos gibt, der vorausschaut und mitdenkt. Oder eben nicht.

Jesus hat gewusst, was Menschen brauchen. Davon erzählt die Episode aus dem Lukasevangelium, über die heute in den katholischen Gottesdiensten gepredigt wird. Es geht um eine Gruppe von Kranken, die gehört haben, dass von Jesus eine heilende Kraft ausgeht, und sich deshalb an ihn wenden. Ihre Heilung geschieht auch umgehend, allerdings auf ziemlich eigenartige Weise. Jesus kümmert sich nämlich selbst gar nicht um sie, sondern schickt sie zu den zuständigen Seelsorgern. Und als sie sich dorthin aufmachen, sind sie bereits geheilt. Und nun beginnt das Problem. Denn offenbar hatten die Geheilten keinen, der ihnen gute Manieren beigebracht hat. Sie nehmen ihre Heilung an, als wäre sie das Selbstverständlichste von der Welt, und sehen keinen Grund sich zu bedanken. Offenbar hat ihnen das keiner beigebracht. Kein Vorbild, das ihnen eine Perspektive gibt, die über den eigenen kleinen Horizont hinausreicht. Sie haben keine Ahnung, worum es geht. Nämlich nicht nur um die Krankheit, die lediglich ein Teil von ihnen ist, nicht alles. Und sie sehen auch nicht, was möglich wäre, wenn sie sich dankbar zeigen würden. Dass es da einen Gott gibt, der ihnen mehr verspricht als physische Gesundheit. Das bleibt ihnen verschlossen.

Bis auf einen. Der geht zu Jesus zurück und bedankt sich, indem er Gott lobt. Offenbar hat er kapiert, dass es Jesus um ihre ganze Existenz geht. Und dieser eine, der sich dankbar zeigt und noch einmal zu Jesus zurückkehrt, war nicht mal Jude, keiner von Jesu Volks- und Glaubensgenossen, sondern ein Fremder, für den Jesus zunächst gar nicht zuständig ist. Dieser Fremdling weiß, wie man sich benimmt. Vermutlich hatte er gute Lehrer, Vorbilder, die ihm gezeigt haben, wie viel Gutes entstehen kann, wenn man mit Gott rechnet.

Es ist immer der Mensch, der das Problem ist. Wenn einer nur an sich selbst denkt, ständig davon spricht, was ihm fehlt, obwohl gerade ein anderer ihm seine Not klagt. Wenn jemand gar nicht sieht, was möglich ist, weil er sich immer zu kurz gekommen fühlt und um sich selbst kreist. Aber es ist ebenso der Mensch, in dem Großes steckt, der Wunderbares erreichen kann - wenn er sich anstecken lässt. Von Menschen, die wissen, dass Gott immer mehr kann als der Mensch.

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