SWR1 3vor8
„Bin ich Jesus?“ mit einem lockeren Schulterzucken haben wir in meinem Freundeskreis diesen Satz oft gesagt – früher, als ich noch ein Teenager war. Auch ich habe diesen Satz gerne benutzt. Wenn ich jemandem nicht helfen konnte oder wollte. Wenn ich etwas nicht verändern konnte oder wollte. „Bin ich Jesus?“
Meine Mutter hat dieser Satz damals sehr geärgert. „Nein, natürlich bist Du nicht Jesus, das weiß ich auch. Aber ist Jesus etwa der Einzige, der dafür zuständig ist, sich zu kümmern? Du kannst Dich nicht immer nur zurücklehnen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.“ Diese oder eine ähnliche Antwort musste ich mir dann anhören.
Damals fand ich mich lässig, mit meinem Schulterzucken und meiner Antwort: „Bin ich Jesus?“ Heute verstehe ich die Reaktion meiner Mutter sehr gut und mag den Satz auch nicht mehr. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und verteile Armbändchen an meine Konfirmandinnen und Konfirmanden. Auf denen steht: „WWJD“. Das ist die Abkürzung für: „What would Jesus do? – Was würde Jesus tun?“ Mit diesen „Was würde Jesus tun?“-Bändchen schicke ich sie dann in ihre Woche. Als kleine Erinnerung in ihrem Alltag kurz darüber nachzudenken, wie Jesus wohl in dieser oder jener Situation reagieren würde. Würde er freundlich bleiben, helfen, ehrlich sein?
Diese Frage hat auch Jakobus umgetrieben. Jakobus ist Gemeindeleiter in einer der frisch gegründeten christlichen Gemeinden im Römischen Reich. Viele Menschen in seiner Gemeinde sind arm. Andere in der Gemeinde sehen diese Not, könnten helfen, sagen aber: „Bin ich Jesus?“ Denen schreibt Jakobus ins Buch: „Was nützt es wenn jemand behauptet zu glauben, sich der Glaube aber nicht in Taten zeigt?“ (Jakobus 2,14) Und er spitzt es noch zu: „Wenn der Glaube sich nicht in Taten zeigt, ist er tot.“ (Jakobus 2,17)
Nein, ich bin nicht Jesus. Ich kann die Welt nicht retten. Aber ich darf Gottes Liebe in meinem Leben spüren. Und wer geliebt wird, der will das doch auch weitergeben. Dann kann ich doch gar nicht mit den Schultern zucken und die Welt so lassen wie sie ist. Dann juckt es mich in den Fingern, sie liebevoller zu machen. Und deshalb ist es gut, dass Jakobus mich heute daran erinnert: „Denk in Deinem Alltag immer mal wieder kurz darüber nach – Was würde Jesus tun?“
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