Begegnungen

Peter Annweiler trifft Diemut Meyer
Teil 1: überraschend
Etwas Ur-altes macht sie top-aktuell: Sie bringt Segen „auf die Straße“. Und dabei verströmt die Frau eine Fröhlichkeit und brennt für ihre Sache. Vor allem an Feiertagen und bei Festen ist die Pfarrerin mit ihrem Team unterwegs. Erst seit eineinhalb Jahren ist sie in der Pfalz am Start – und erreicht Menschen genau da, wo sie gerade sind.
Ich habe es sehr oft erlebt, dass Menschen auch nach der Segenshandlung weinen oder auch erleichtert sind, aber auch manchmal ganz glücklich strahlend von dannen ziehen. Also so wie die Lebenssituation gerade ist und dieses Wahrnehmen des Menschen, das ist das, was mich selber beglückt.
Segen ist ja eine religiöse Urkraft. Sie wirkt, weil sie einen größeren Horizont schafft und Menschen stärkt. Das ist es, was dann auch durch die Segnenden „strahlt“: eine unverfügbare Kraft, uns zugewandt und ganz nah dran am Leben:
Ich habe drei Mädchen gesegnet, drei Freundinnen und dann habe ich gefragt, was ihnen gerade wichtig ist und die eine hatte gerade ihr Haustier verloren und die andere,die ist noch ganz mit ihrer Oma verbunden und dann habe ich versucht, die Themen, die sie beschäftigen in einen größeren Horizont zu stellen
- und diesen Horizont erlebt Diemut Meyer als stärkende Himmelskraft. Davon möchte sie zuerst etwas weitergeben. Aber ganz wichtig sind ihr vorher oder nachher auch „irdische“ Begegnungen und Gespräche auf Augenhöhe.
Unsere orangenen Segensbar: Mit der ziehe ich hier auch durch die Pfalz, an dem Tresen finden Gespräche statt, aber da kann man auch, wie zum Beispiel als ich in Neustadt war, kriegte man auch einen Segenscocktail, also man kann auch ein Getränk bekommen und ich dachte: Diesen mobilen Bargedanken mit dem Thema Segen zu verbinden, das fand ich großartig und ich merke, dass das gut angenommen wird.
„Segen to go“ oder „Pop Up Trauungen”. So heißen manche Angebote des Segensbüros. In ganz Deutschland gibt mittlerweile solche Formate. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Menschen oft außerhalb von Kirchenräumen und Gottesdiensten ansprechen. Etwa bei Festen, die man gar nicht mit Religion in Verbindung bringt. Wie beim größten Weinfest der Welt in Bad Dürkheim.
Dass Menschen auch an ganz normalen Alltagsorten den Segen Gottes erbitten, das haben wir ja beim Wurstmarkt möglich gemacht, dass Menschen sich im Riesenrad, wo sie sich kennengelernt haben, segnen und trauen lassen.
Ein ganzes Riesenrad voll mit Liebenden. Ein großartiger Drehmoment zwischen Erde und Himmel: 80 Trauungen und Segnungen haben 20 Geistliche dort an einem Tag vorgenommen. Das finde ich enorm. Und bin baff. Darüber, wie belebend die neue Lust am Segen und am Segnen in einer kirchenskeptischen Zeit ist.
Teil 2: wirksam.
Mit ihrer großen Schaffenskraft hat die gebürtige Bochumerin schon viel bewegt. Lange war die Pfarrerin Leiterin der Kulturkirche in Bremen. 2024 hat sie sich nach Speyer aufgemacht und das Segensbüro „Blessed“ in der Pfalz aufgebaut. Sie stärkt damit die neue Lust am Segen, die ihr bei Menschen begegnet.
Ich glaube, Menschen erbitten Segen, weil sie merken: Es gibt mehr als mein normales Leben, es gibt eine Kraft, die darüber hinaus ist, die mich als Mensch wertschätzt, die mich als Geschöpf sieht
Gerade in ungewissen Zeiten mit viel Zuspitzung braucht es diese Kraft, finde ich. Denn sie macht in Krisen „resilient“, wie wir heute ja auch gerne sagen. Eben weil sie Menschen stärkt.
Dieser Segen ist der Zuspruch, dass du ein wunderbarer Mensch bist, dass du geschaffen bist und auch in allen positiven oder auch schwierigen Situationen von diesem Segen Gottes, von dieser Kraft begleitet bist und das den Menschen zuzusprechen, das ist eine wunderbare Aufgabe und für mich eine Kernaufgabe auch der Kirche.
Diese Kernaufgabe ausbauen – das ist Diemut Meyers Mission. Und mir gefällt, dass sie dabei Segen weder vereinfacht noch überhöht. Segen ist für sie mehr als ein einfaches „Wünsch dir was“. Und auch keine magische „Himmelsspritze“. Er ist immer verbunden mit einer ganz persönlichen Zuwendung – und manchmal ja auch nötig, wenn uns die nicht so wundervollen Seiten an uns selbst bewusst werden.
Das ist für mich Seelsorge: Dass ich frage: Was sind eure Sorgen? Wo drückt der Schuh? Wofür braucht ihr den Segen Gottes?- Und aus diesemGespräch heraus, entfalte ich dann den Segen und das finde ich schön, weil jeder ein anderes Thema hat, was gerade bei ihm im Leben gerade besonders freudig oder auch schwer ist und wofür man besonders diesen Segen braucht.
Segen ist Sorge für die Seele – und deshalb kann in ihm so viel zusammen finden.
Ich spreche von der Theologie des Augenblicks. Also, dass sich im Augenblick, ich sage mal, Zeit und Ewigkeit vermengen und wenn man im Augenblick da ist für Menschen, dass sich ganz viel auch erfüllt.
Segen gehört nicht der Kirche. Und das, was in einer Segenshandlung geschieht, das wird nicht durch die Segnende bewirkt. Diemut Meyer weiß, dass sie weitergibt, was ihr selbst geschenkt ist – und was sie mit anderen Christenmenschen teilt. Ich bin mir sicher: Es braucht diese Demut und diese Qualität, damit Segen wirkt.
Unser Auftrag ist ja nicht, die Leute in die Institution zurückzubringen, sondern bei ihnen zu sein und aus dieser Fülle auch des Reichtums und des Glaubens, so wie es in der Bibel steht, diese Fülle weiterzugeben, ohne Voraussetzungen, sondern wir selber als von Gott Beschenkte geben diesen Segen an andere weiter.
Weiterschenken, was wir selbst empfangen haben.
Verströmen, was durch uns fließt.
Ich wünsche Ihnen einen „gesegneten“ Sonntag,
einen Tag mit viel Verschenken und Verströmen.
Mehr zum Segensbüro „Blessed“:
https://blessed-pfalz.de/
Instagram: #blessed_pfalz
