SWR1 3vor8
Heute feiern viele Kirchengemeinden das Erntedankfest. Es ist eine gute Ernte gewesen, dieses Jahr. Und auch bei mir in der Gemeinde danken wir heute Gott dafür, dass er seinen Segen gegeben hat – zu der Arbeit der Landwirte auf den Feldern, im Weinberg oder in den Obstanlagen. Denn dafür, dass wir die Früchte unserer Arbeit auch ernten dürfen, braucht es den Segen.
Eigentlich ist das bei jeder Arbeit so – nicht nur in der Landwirtschaft - auch im Büro zum Beispiel, in einem Handwerksbetrieb oder einer Werkhalle. Wir Menschen arbeiten, stecken unsere Kraft in eine Aufgabe so weit es in unserer Macht steht. Und hoffen, dass wir gute Ergebnisse ernten dürfen. Und natürlich auch den angemessenen Lohn. Allerdings fällt die Ernte hier manchmal nicht so rosig aus, wie erhofft. Immer öfter stimmt das Verhältnis nicht. Reicht trotzt lebenslanger Berufstätigkeit die Rente nicht, verlieren Arbeitnehmer unverschuldet ihren Arbeitsplatz, ist es für alleinerziehende Mütter oder Väter besonders schwer, eine vernünftige Arbeit zu finden usw. Und das liegt sicher nicht daran, dass auf der Arbeit dieser Menschen kein Segen liegen würde.
Nein, das liegt an etwas anderem. Und ich denke, dass der Bibeltext, der heute in vielen Erntedankgottesdiensten im Mittelpunkt steht, den richtigen Hinweis gibt. Der Text steht im Alten Testament beim Propheten Jesaja, und da heißt es:
Schaff die Unterdrückung bei dir ab,
zeig auf niemanden mit dem Finger
und unterlass‘ üble Nachrede.
Nimm dich des Hungrigen an
und mach den Notleidenden satt. (aus Jes. 58, Basisbibel)
Wenn Menschen nicht das bekommen, was ihre Arbeit wert ist, dann fehlt nicht einfach der Segen Gottes. Sondern das hat mit Ungerechtigkeit zu tun, mit Unterdrückung und Not. Und daran sollten wir etwa ändern. Da sollten wir unsere Arbeitskraft reinstecken, gerade jetzt, wo es in der Wirtschaft nicht so gut läuft. Dieses Jahr heißt Erntedank für mich auch: Meine Arbeitskraft in ein gutes Miteinander zu stecken. Mit aufzupassen, dass niemand bei uns übersehen wird. Oder nicht das bekommen kann, was zum Leben nötig ist. Sich dafür einzusetzen, lohnt sich ganz bestimmt. Und ganz bestimmt ist Gott mit seinem Segen dabei, wenn er verspricht:
Mach die Notleidenden satt.
Dann wird Gott dich immer und überall führen.
(...)
Dann wirst du wie ein gut bewässerter Garten sein,
wie eine Quelle, die niemals versiegt.
